Gesundheitswesen 2022; 84(08/09): 728-729
DOI: 10.1055/s-0042-1753628
Abstracts | DGSMP/DGMS
Vorträge
Thema: Kinder- und Jugendgesundheit

Kinderfreundliche Gestaltung von städtischen Umwelten: Ein Leitfadencheck

L Werner
,
E Hillal
,
S Moebus
 

Einleitung Eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensumwelt ist für Kinder sowohl für eine gesunde physische als auch gesunde kognitive und soziale Entwicklung wichtig. Städtische Strukturen, die nicht kinderfreundlich ausgerichtet sind, können eine aktive Auseinandersetzung sehr einschränken. Beispiele sind das hohe Verkehrsaufkommen, die damit verbundene Anzahl an Parkplätzen in öffentlichen Räumen oder die zunehmende bauliche Verdichtung in Städten. Das führt nicht nur zu gefährlichen Umwelten, sondern insgesamt zu fehlenden Freiräumen für Kinder. Dadurch werden Möglichkeiten der eigenen aktiven Mobilität, Bewegung und damit die Bewältigung wichtiger Entwicklungsaufgaben von Kindern eingeschränkt. Einige Folgen sind gut belegt, wie Übergewicht, motorische Defizite und psychische Belastungen.

Kinder sind im Stadtplanungsprozess wenig berücksichtigte Akteure. Dabei gibt es inzwischen Stadtplanungsinstrumente, wie die Healthy Built Environment Checklist (HBEC) [1], die die Berücksichtigung unterschiedlicher Bereiche und Akteure adressieren. Unklar ist bislang inwieweit explizit Belange und Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt werden. Der Beitrag zielt deshalb auf die Analyse der HBEC und ihren Einbezug von Kriterien für eine kinderfreundliche Umgebung. Die Checkliste ist ein Leitfaden für Stadtplanungsprozesse mit dem Ziel für gesundheitsförderliche Gestaltung der gebauten Umwelt zu sensibilisieren.

[1] NSW Ministry of Health (2020): Healthy Built Environment Checklist. A guide for health in development policies, plans and proposals.

Methoden Die Untersuchung der Checkliste erfolgt durch eine qualitative Analyse. Das Bullerby-Modell [1] dient dabei als theoretischer Rahmen, und beschreibt wie Qualitäten der gebauten Umwelt Kinderfreundlichkeit beeinflussen. Das Modell definiert kinderfreundliche Umgebungen durch (i) die Möglichkeit für eigenständige Mobilität von Kindern (ii) und der Befähigung von Kindern ihre eigene Umwelt zu gestalten. Alle Themenbereiche der Checkliste werden anhand dieser Indikatoren analysiert, in einer Zielgruppen-Tabelle zusammengefasst und diskutiert.

[1] Broberg, A., Kyttä, M., Fagerholm, N. (2013): Child-friendly urban structures: Bullerby revisited. In: Journal of Environmental Psychology 35 (2), S. 110–120.

Ergebnisse Erste Ergebnisse zeigen, dass die Checkliste zwar sicherstellen will, dass alle Bereiche und Personengruppen bei der Planung berücksichtigt werden, jedoch Kinder in keinem der 11 Themenbereiche explizit adressiert werden. Als Folge orientieren sich Bewertungsmaßstäbe häufig an den Belangen und Bedürfnissen von Erwachsenen, wie z. B. der Ermöglichung eigenständiger Mobilität. Für Kinder sind aber zwingend andere, d.h. kindergerechte Bewertungsmaßstäbe notwendig.

Schlussfolgerung Insgesamt zeigen die ersten Ergebnisse, dass es einer verstärkt kinderfreundlichen Perspektive in der Stadtgestaltung bedarf und damit auch verstärkter Forschungsbemühungen und Implementierungen kinderfreundlicher Städte.



Publication History

Article published online:
22 August 2022

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