Gesundheitswesen 2022; 84(08/09): 725-726
DOI: 10.1055/s-0042-1753621
Abstracts | DGSMP/DGMS
Vorträge
Thema: Kinder- und Jugendgesundheit

Die Kindergartenuntersuchung – Eine Bestandsaufnahme zur Umsetzung in Deutschland

S Götz
,
K Kreffter
,
S Weyers
 

Einleitung Entwicklungsauffälligkeiten bei Kindern sollten möglichst früh erkannt werden. Die bundesweit verpflichtend durchgeführte Schuleingangsuntersuchung (SEU) deckt solche Entwicklungsdefizite auf. Jedoch wird der individuelle Nutzen zur Früherkennung als nicht optimal eingestuft, da der Untersuchungszeitpunkt der SEU mit ca. 6 Jahren relativ spät ist. Um den Entwicklungsstand der Kinder früher einschätzen zu können und ggf. frühzeitig eine entsprechende Förderung einzuleiten, gewinnen Entwicklungsscreenings in Kitas oder Kindergartenuntersuchungen (KU) an Bedeutung. Im Gegensatz zur SEU werden KU in Deutschland jedoch nicht flächendeckend durchgeführt. Das vorgestellte Projekt hat das Ziel, herauszuarbeiten, wie KU in Deutschland umgesetzt werden, welche Instrumente dabei benutzt werden und wie die KU wirkt.

Methoden In dem vorgestellten Projekt wurden (1) eine Überblicks- und Literaturrecherche, (2) problemzentrierte Interviews und eine (3) Datenanalyse mit Daten einer retrospektiven Kohortenstudie, die im Zusammenhang der SEU erhoben wurde, durchgeführt.

Ergebnisse Die Recherche macht deutlich, dass eine Vielzahl an rechtlichen Grundlagen, Begriffen und Instrumenten für das Entwicklungsscreening im Kindergarten existiert. Gemeinsam waren allen Schilderungen, dass die Kindergartenuntersuchung in ein Gesamtkonzept eingebettet ist und dass die Eltern auf Basis der Untersuchungsergebnisse ins kommunale Fördersystem vermittelt werden. In einigen Bundesländern haben sich überzeugende Konzepte der KU etabliert, die aber nicht immer wissenschaftlich evaluiert und beschrieben werden. In den Interviews stellt sich insbesondere heraus, dass die KU sehr zeitaufwändig ist und häufig nur durch die hohe Einsatzbereitschaft der Fachkräfte vor Ort umsetzbar ist. Eine bessere gesetzliche Verankerung wäre aus Sicht der Befragten hilfreich, um mehr Familien zu erreichen und gäbe eine Rechtfertigungsgrundlage bei den politischen Entscheidungsträgern. Die Datenanalyse ergibt Hinweise, dass Kinder – insbesondere aus benachteiligten sozialen Lagen – die von einer KU erfasst wurden häufiger an Präventionsangeboten teilnehmen, als Kinder die nicht erfasst wurden

Schlussfolgerung Es existiert eine Reihe vielversprechender Ansätze und Instrumente der KU, um die kindliche Entwicklung frühzeitiger als bisher zu beurteilen und Kinder ggfs. zeitnah zu fördern. Gesetzliche Grundlagen sollten geschaffen werden und wo vorhanden, als Legitimation genutzt werden. Denn eine KU als verpflichtende Maßnahme hilft den Kommunen bei der Durchführung und sichert die notwendigen Ressourcen. Erfolgreiche Ansätze sollten künftig stärker im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten evaluiert und dargestellt werden. In kommunalen Präventionsketten könnte die KU eine Lotsenfunktion in Präventionsketten erfüllen.



Publication History

Article published online:
22 August 2022

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