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DOI: 10.1055/s-0042-1745541
Auftreten von Meldepflichtigen Infektionskrankheiten im ersten Jahr der Covid-Pandemie im Vergleich zu den Vorjahren in Köln
Authors
Einleitung Ab März 2020 wurden vornehmlich nicht-pharmazeutische Interventionen (NPIs) genutzt, um die Ausbreitung von COVID-19 einzuschränken. Ein Einfluss dieser NPIs auch auf das Infektionsgeschehen der anderen meldepflichtigen Erkrankungen war zu erwarten und soll in dieser Arbeit quantifiziert werden.
Material und Methoden Die Datengrundlage der Analyse bildeten die Meldedaten des Kölner Gesundheitsamts zu allen meldepflichtigen Erkrankungen exkl. COVID-19 von März 2014 bis Februar 2021. Die statistische Auswertung erfolgte durch Betrachtung der Abweichung der Inzidenz im ersten Jahr der Pandemie zur durchschnittlichen Inzidenz der Vorjahre. Des Weiteren wurden die Meldungen der verschiedenen Meldekreise anhand eines sozioökonomischen Scores in vier Gruppen, das erste Jahr der Pandemie anhand der geltenden NPIs und des Covid-Infektionsgeschehens in vier Zeiträume eingeteilt.
Ergebnisse Im Beobachtungszeitraum gingen in 66 Fallkategorien 42 153 Meldungen nach §7 des Infektionsschutzgesetzes ein. Davon entsprachen 33 903 der Referenzdefinition des Robert Koch Instituts. Meldungen erfolgten aus allen (n=86) Meldekreisen Kölns. Die Fallkategorien wurden nach Übertragungsweg in zehn Gruppen zusammengefasst, von denen fünf (gastrointestinal, aerogen bzw. parenteral, sowie durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen) mit>100 Fällen/Jahr eine verlässliche Datengrundlage für weitere Analysen boten.
Während der Pandemie wurde in vier der fünf repräsentativen Gruppen ein Rückgang (-60±34%) von gemeldeten Fällen beobachtet. Nur bei parenteral übertragenen Krankheiten kam es zu einem Anstieg (+7%), wobei in den vier Zeiträumen unterschiedliche Trends vorlagen (1.:+8%, 2.:-10%, 3.:-7%, 4.:+39%).
Auch bei anderen Übertragungsarten ließen sich Unterschiede zwischen den vier Zeiträumen beobachten. So zeigten sich bspw. im ersten Zeitraum bei drei der fünf Gruppen erhöhte Fallzahlen, die in Meldekreisen mit dem geringsten Scorewert besonders ausgeprägt waren (+100±38%).
Interpretation Die Ergebnisse zeigen einen wesentlichen Einfluss der Pandemie auf große Teile der anderen meldepflichtigen Erkrankungen. Unterschiede zwischen den vier Zeiträumen legen nahe, dass verschiedene NPIs verschiedene, ggf. auch längerfristige Effekte haben. Gleichzeitig waren die Kontakte der Bevölkerung zum Gesundheitssystem während der Pandemie möglicherweise reduziert, was ebenfalls einen Einfluss auf die Ergebnisse hat.
Interessenskonflikte Die Autor*innen bestätigen, dass keine materiellen oder immateriellen Interessenkonflikte bestehen, die geeignet sind, den Inhalt des Abstracts zu beeinflussen.
Publication History
Article published online:
26 April 2022
© 2022. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag
Rüdigerstraße 14,70469 Stuttgart, Germany
