Gesundheitswesen 2022; 84(04): 386-387
DOI: 10.1055/s-0042-1745536
Abstracts | BVÖGD/BZÖG
Fachausschuss Infektionsschutz
Vorträge

Das Meldesystem gemäß Infektionsschutzgesetz lieferte zwischen Januar 2020 und Juni 2021 zeitnahe Daten mit guter Vollständigkeit zu COVID-19

Authors

  • EmilyDorothee Meyer

  • Adine Marquis

  • Mona Askar

  • Michaela Diercke

 

Die Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind eine essenzielle Grundlage für die Lagebewertung in der COVID-19-Pandemie. Politische Entscheidungen und weitreichende Maßnahmen leiten sich unmittelbar aus ihnen ab. Wir evaluierten, wie zeitnah und vollständig die Daten im Meldesystem verfügbar waren.

Untersucht wurden alle COVID-19-Fälle gemäß Referenzdefinition mit Meldedatum zwischen 5. KW 2020 (27.01.2020) und 23. KW 2021 (13.06.2021). Die Auswertungen erfolgten für den gesamten Zeitraum und stratifiziert nach folgenden Pandemiephasen: sporadische Fälle (Kalenderwoche (KW) 5-9 2020), erste Welle (KW 10-20 2020), Sommer 2020 (KW 21-39 2020), zweite Welle (KW 40 2020 – KW 8 2021) und dritte Welle (KW 9-23 2021). Es wurde der Median mit 25. und 75. Quantil des Meldeverzugs (Tage zwischen Labormeldung und elektronischer Erfassung am Gesundheitsamt (GA)) und der Übermittlungsverzug (Tage zwischen Übermittlung vom GA bis Eingang am Robert Koch-Institut) berechnet. Für die Vollständigkeit wurden jeweils der Anteil von Fällen mit Angaben berechnet.

Melde- und Übermittlungsverzug betrugen 0 Tage (Q25-Q75: 0-1 Tage.). Die Vollständigkeit für Alter (100%) und Geschlecht (99,5%) war am höchsten, gefolgt von Hospitalisierungsstatus (81%), klinischen Informationen (75%) und Risikofaktorstatus (60%). Die niedrigste Vollständigkeit hatten Angaben zum Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall (48%). 99% der Todesfälle hatten ein Sterbedatum, während 87% der symptomatischen Fälle ein Erkrankungs- und 73% der Hospitalisierten ein Hospitalisierungsdatum hatten. Die Vollständigkeit der Angaben von Alter, Geschlecht und Sterbedatum bei Verstorbenen war in allen Pandemiephasen gleich hoch, während sie für klinische Informationen, Hospitalisierungs- und Risikofaktorstatus v.a. in der zweiten Welle geringer waren.

Die Zeitnähe im Meldesystem war exzellent, sodass die Trendentwicklung während der Pandemie zeitnah abgebildet werden konnte. Die hohe Vollständigkeit von Alter und Geschlecht ermöglicht eine demografische Beschreibung der COVID-19-Fälle in Deutschland. In der zweiten Welle mit hohen Fallzahlen war die Vollständigkeit für Variablen mit hohem Ermittlungsaufwand geringer. Durch weitere Erhebungen sollte ermittelt werden, wie GÄ noch besser in der Arbeit, z.B. organisatorisch oder digital unterstützt werden können, um die Aufwände für Ermittlung und Datenbearbeitung im Meldesystem zu reduzieren und um gleichzeitig informiert Entscheidungen treffen zu können.

Interessenskonflikte Emily Meyer ist als Fellow der Postgraduiertenausbildung für angewandte Epidemiologie dem Fachgebiet 32 für Surveillance / ÖGD-Kontaktstelle der Abteilung für Infektionsepidemiologie des Robert Koch-Instituts zugeteilt. Adine Marquis und Mona Askar sind in diesem Fachgebiet angestellt und Michaela Diercke ist die Leitung des Fachgebiets 32 für Surveillance / ÖGD-Kontaktstelle.



Publication History

Article published online:
26 April 2022

© 2022. Thieme. All rights reserved.

Georg Thieme Verlag
Rüdigerstraße 14,70469 Stuttgart, Germany