Notfallmedizin up2date 2017; 12(04): 411-429
DOI: 10.1055/s-0042-123162
Pädiatrische Notfälle
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Elektrounfälle im Kindes- und Jugendalter

Dominique Singer
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
06. Dezember 2017 (online)

Kinder und Jugendliche gehören zu den Hauptrisikogruppen für Elektrounfälle. Hier sind Niederspannungsunfälle, Hochspannungsunfälle und Blitzunfälle zu unterscheiden. Dieser Artikel beleuchtet die Pathomechanismen, einige Notfallszenarien sowie die rettungsdienstlichen Erstmaßnahmen.

Kernaussagen
  • Kinder und Jugendliche gehören zu den Hauptrisikogruppen für Elektrounfälle.

  • Elektrounfälle sind trotz der vermeintlich übersichtlichen Gliederung in Niederspannungs-, Hochspannungs- und Blitzunfälle von zahlreichen weiteren Determinanten abhängig.

    • Im Niederspannungsbereich ist es neben der – aus Körperinnenwiderstand und Stromflussweg resultierenden – Stromstärke vor allem die Stromflussdauer, die über das kardiale Risiko (Auslösung von Kammerflimmern speziell in der vulnerablen Periode der Herzaktion) entscheidet.

    • Im Hochspannungsbereich stehen schwerste, oft unmittelbar tödliche Verbrennungen durch Lichtbogenüberschlag im Vordergrund.

    • Bei Blitzunfällen sind neben dem direkten Einschlag auch indirekte Einwirkungen möglich, die bisweilen ganze Personengruppen betreffen können. Neben charakteristischen Hautverbrennungen treten hier akute zentrale Ausfallserscheinungen sowie chronische neurologische und psychiatrische Folgekomplikationen auf.

  • Insgesamt zeichnet sich eine Zweiteilung in sofort tödliche bzw. mit schweren Verletzungen einhergehende und eher glimpflich verlaufende Elektrounfälle (Alles-oder-Nichts-Prinzip) ab.

  • Die Reanimation von Elektrounfallopfern ist selbst nach Blitzschlag grundsätzlich erfolgversprechend.

  • In der traumatologischen Erstversorgung stehen Verbrennungen und elektrothermische Weichteilschäden im Vordergrund.

  • Bei klinisch asymptomatischen Patienten, die auch keine initialen EKG-Auffälligkeiten aufweisen, ist ein stationäres Monitoring zur Erfassung von Spätarrhythmien entbehrlich.

  • Essenziell zur Eindämmung von Elektrounfällen im Kindes- und Jugendalter sind präventive Maßnahmen; hierzu gehört letztlich auch der Eigenschutz, der bei der Rettung von Elektrounfallopfern Vorrang hat.