Gastroenterologie up2date 2017; 13(01): 63-77
DOI: 10.1055/s-0042-122649
Wichtige Methoden in der Gastroenterologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Funktionsdiagnostik in der Gastroenterologie

Simon Nennstiel
,
Christoph Schlag
,
Monther Bajbouj
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Publication Date:
23 March 2017 (online)

Insbesondere unspezifische gastrointestinale Symptome lassen sich mit den klinischen Untersuchungstechniken wie Endoskopie und Sonografie oft nicht befriedigend abklären. Hier hilft die gastrointestinale Funktionsdiagnostik Störungen aufzuspüren und die zugrunde liegenden pathophysiologischen Ursachen einzugrenzen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die gebräuchlichsten Verfahren – ihre Möglichkeiten, praktische Durchführung und Grenzen.

Kernaussagen
  • Die gastroenterologische Funktionsdiagnostik nutzt apparative Diagnoseverfahren, um organspezifische Funktionen zu testen und organspezifische Fehlfunktionen zu objektivieren.

  • Sie dient der Abklärung der Dyspepsie, der Dysphagie und weiterer (unspezifischer) abdomineller Beschwerden wie Meteorismus, Diarrhö und Obstipation.

  • Relevante Funktionstests in der täglichen klinischen Routine sind die ösophageale High-Resolution-Manometrie, die Ösophagus-pH-Metrie/Impedanzmessung, der 13C-Atemtest zur Bestimmung des Helicobacter-pylori-Status, H2-Exhalationstests, die anorektale Manometrie sowie die Bestimmung der menschlichen Pankreas-Elastase-1 im Stuhl.

  • Die ösophageale High-Resolution-Manometrie ist insbesondere bei der Dysphagie bei unauffälliger Endoskopie Verfahren der 1. Wahl. Die Auswertung erfolgt nach der Chicago-Klassifikation.

  • Die pH-Metrie/Impedanzmessung ist vor allem bei der nicht erosiven Refluxerkrankung das zentrale funktionsdiagnostische Verfahren, um eine gastroösophageale Refluxerkrankung zu objektivieren und eine Reflux-Symptom-Assoziation zu erkennen. Die pH-Metrie wird anhand der prozentualen Zeit mit pH < 4 bewertet, die Impedanzmessung anhand der totalen Anzahl an Refluxepisoden.

  • Der 13C-Atemtest kann zur Erfolgskontrolle nach H.p.-Eradikationsbehandlung und primär zum nicht invasiven Nachweis einer H.p.-Infektion eingesetzt werden.

  • H2-Exhalationstests mit nicht resorbierbaren Kohlenhydraten (z. B. Laktulose) dienen der Bestimmung der orozökalen Transitzeit, Tests mit potenziell resorbierbaren Kohlenhydraten (z. B. Laktose, Fruktose) der Diagnostik von Kohlenhydratmalabsorptionen/-intoleranzen. Beim Einsatz einer Glukoselösung kann eine bakterielle Dünndarmfehlbesiedelung festgestellt werden.

  • Die anorektale Manometrie ist ein wichtiges Verfahren zur Diagnostik und Objektivierung der Obstipation und der Inkontinenz, um ggf. die pathophysiologisch zugrunde liegenden Störungen zu erfassen.

  • Die Bestimmung der menschlichen Pankreas-Elastase-1 ist bei guter Verfügbarkeit und Kosteneffizienz die gebräuchlichste Methode in der Diagnostik einer exokrinen Pankreasinsuffizienz. Die Sensitivität steigt mit Schwere der exokrinen Insuffizienz.

  • Weitere Funktionstestungen wie z. B. das EndoFLIP-Verfahren, die pH-Metrie mit der Bravo-Kapsel, Tests zur Diagnostik einer Magenentleerungsstörung oder 13C-Atemtests zur Erfassung einer exokrinen Pankreasinsuffizienz haben gegenwärtig einen niedrigeren Stellenwert und kommen häufig nur bei speziellen Fragestellungen oder im Rahmen von Studien zur Anwendung.