Radiologie up2date 2017; 17(01): 43-60
DOI: 10.1055/s-0042-122604
Urogenitale Radiologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Multiparametrische MR-Bildgebung beim Prostatakarzinom

Heinz-Peter Schlemmer
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Publication Date:
19 April 2017 (online)

Über die multiparametrische Prostata-MRT (mpMRT) ist viel geschrieben worden. Richtig durchgeführt, kann sie die Diagnostik verbessern, erlaubt eine zuverlässigere Prognoseabschätzung und hilft dabei, die individuell optimale Therapie festzulegen. Ziel (und Herausforderung) dieser kurzen Übersicht ist es, Radiologen das nötigste methodische Handwerkszeug und Hintergrundwissen für die tägliche Routine an die Hand zu geben.

Kernaussagen
  • Das Prostatakarzinom ist durch Multifokalität und biologische Variabilität gekennzeichnet. Die große Variationsbreite der Aggressivität erfordert eine differenzierte Risikoeinschätzung der Patienten.

  • Die konventionelle urologische Diagnostik zur Früherkennung des Prostatakarzinoms umfasst die digitale rektale Untersuchung, den PSA-Serumtest und ggf. die systematische Prostatabiopsie. Diagnose, Grading und prognostische Einschätzung alleine auf Grundlage der konventionellen Diagnostik sind unbefriedigend.

  • Der PSA-Test besitzt eine hohe Sensitivität bei allerdings geringer Spezifität. Erhöhte Serumwerte kommen auch bei den viel häufigeren gutartigen Prostataerkrankungen (BPH und Prostatitis) vor.

  • Bei der Prostatabiopsie (meist als transrektale 12-fach-TRUS-Biopsie) werden manche Karzinome nicht gesehen, weil sie z. B. klein sind, ventral oder apikal in der Prostata liegen oder weil aufgrund eines großen Prostatavolumens nur relativ wenig Gewebe untersucht wird.

  • Pathologische Diagnose und individuelle Risikoeinschätzung beruhen auf dem pathologischen „Gleason-Score“ im Material der Prostata-Stanzbiopsie oder der entfernten Prostata.

  • Die (schwierige) Unterscheidung zwischen klinisch signifikanten und klinisch nicht signifikanten Karzinomen ist grundlegend für die individuell optimale Therapiewahl.

  • Mit der mpMRT lässt sich die Diagnostik verbessern, die Prognose zuverlässiger einschätzen und die Therapie individualisieren. Sie kann mit modernen MR-Tomografen und ohne spezielles Equipment durchgeführt werden, erfordert aber:

    • eine hohe Qualität und Standardisierung der Untersuchung

    • eine ausreichend hohe Expertise bei der Bildbeurteilung

    • eine standardisierte Befunddokumentation und -übermittlung

    • die Zusammenarbeit von Urologen und Radiologen, um die Qualität nachhaltig zu kontrollieren und zu verbessern

  • PI-RADS v2 ist ein von ESUR und ACR entwickelter Standard für die Objektivierung und Vereinheitlichung der Prostata-mpMRT.