Diabetologie und Stoffwechsel 2016; 11(06): 388-389
DOI: 10.1055/s-0042-121793
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Typ-2-Diabetes – Magen-Bypass effektiver als Lebensstiländerung bei Adipositas

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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
21. Dezember 2016 (online)

Hintergrund

Einige kleinere randomisierte Studien haben eine Verbesserung der glykämischen Kontrolle beschrieben, wenn sich adipöse Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 einer bariatrischen Operation unterziehen. Die Autoren der vorliegenden Arbeit hatten bereits über Erfolge nach einem und zwei Jahren nach einer Magen Bypass Operation im Rahmen einer großen randomisierten Studie berichtet. Nun stellen sie ihre 3-Jahres-Ergebnisse vor.

Methoden

Insgesamt 120 erwachsene Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 30,0 und 39,9 kg / m² und einem HbA1c von mindestens 8,0 % trotz einer adäquaten Therapie für mind. 6 Monate wurden randomisiert auf 2 Therapiearme verteilt. Alle Patienten erhielten ein intensives Schulungsprogramm, die Hälfte unterzog sich einer Magen-Bypass Operation. Diese wurde laparoskopisch durchgeführt mit einem 20-ml-Pouch. In den ersten 6 Monaten wurden die Teilnehmer monatlich von einem Endokrinologen gesehen, anschließend alle 3 Monate. Nach 24 Monaten endeten sämtliche Studieninterventionen und die Patienten wurden weiter von ihrem Hausarzt betreut. Der primäre Endpunkt bestand in einem Kompositum aus einem HbA1c unter 7,0 %, einem LDL-Cholesterin unter 100 mg / dl und einem systolischen Blutdruck kleiner 130 mmHg.

Ergebnisse

In jedem der beiden Therapiearme waren 60 Patienten im Durchschnittsalter von 49 Jahren, 57 % (Schulung) bzw. 63 % (Operation) waren weiblich. Der durchschnittliche BMI betrug 34,3 bzw. 34,9 kg / m². Nach 3 Monaten erreichten 9 % der Patienten in der Schulungsgruppe und 28 % der Patienten in der Magen-Bypass-Gruppe den primären Endpunkt (p = 0,01). Die durchschnittlichen HbA1c Werte betrugen zu diesem Zeitpunkt 8,6 % (Schulung) und 6,7 % (Operation). In der Schulungsgruppe trat nach 36 Monaten bei keinem Teilnehmer eine Remission des Diabetes ein, in der Operations-Gruppe war dies bei 17 % (komplette Remission) bzw. 19 % (partielle Remission) der Patienten der Fall. Die durchschnittlichen Gewichtsverluste betrugen 6,3 % bzw. 21,0 %. Teilnehmer der Schulungs-Gruppe nahmen darüber hinaus im Vergleich zur anderen Gruppe mehr Medikamente ein (3,8 vs. 1,8). Ernsthafte oder klinisch relevante unerwünschte Ereignisse traten bei 24 (Schulung) bzw. 51 (Magen Bypass) Patienten auf, davon 2 operationsbedingt.

Folgerung

Ein Magen-Bypass ist im Vergleich zu einem ausschließlichen Schulungsprogramm effektiver, um bei Patienten mit Typ-2-Diabetes metabolische Behandlungsziele zu erreichen, vorwiegend eine bessere glykämische Kontrolle. Die Auswirkung des chirurgischen Eingriffs nimmt jedoch mit der Zeit ab, außerdem ist dieser auch mit einer höheren Rate an unerwünschten Ereignissen assoziiert, so die Autoren.

Dr. Johannes Weiß, Bad Kissingen