Diabetologie und Stoffwechsel 2016; 11(06): 389-390
DOI: 10.1055/s-0042-121744
Für Sie referiert
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Typ-2-Diabetes – Höheres residuales kardiovaskuläres Risiko bei höherem HDL?

Further Information

Publication History

Publication Date:
21 December 2016 (online)

Hintergrund Lipidsenkende Therapien beim Typ-2-Diabetes zielen vorwiegend darauf ab, das LDL-Cholesterin mittels Statinen zu verringern. Allerdings haben diese Patienten trotz nachgewiesener Effektivität der LDL-Absenkung nach wie vor ein signifikantes residuales kardiovaskuläres Risiko. Gegenstand der aktuellen Diskussion ist es, ob die HDL-Spiegel nach effektiver LDL-Senkung ein unabhängiger Risikofaktor sind.

Methoden Aus diesem Grund analysierten die Autoren Daten einer prospektiven Kohortenstudie, die Patienten mit Typ-2-Diabetes und klinisch manifesten kardiovaskulären Ereignissen oder bekannten wichtigen Risikofaktoren für eine Arteriosklerose einschloss. Neben einer körperlichen Untersuchung wurden bei allen Patienten die kardiovaskulären Risikofaktoren erfasst und hier unter anderem auch die Serumspiegel von LDL- und HDL-Cholesterin bestimmt. Für die vorliegende Auswertung unterteilten die Autoren die Teilnehmer anhand des LDL-Cholesterins (< 2,0; 2,0–2,5 und > 2,5 mmol / l) und der Intensität der lipidsenkenden Therapie in verschiedene Gruppen und adjustierten bezüglich unterschiedlicher potenzieller Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Nikotinkonsum, Blutdruck oder HbA1c.

Ergebnisse In die Analyse gingen 1829 Patienten ein, bei denen während einer medianen Beobachtungszeit von 7,0 Jahren 335 neue kardiovaskuläre Ereignisse und 385 Todesfälle auftraten. Es fand sich dabei keine Korrelation zwischen den HDL-Spiegeln und kardiovaskulären Ereignissen (HR 0,97) oder der Gesamtmortalität (HR 0,99). In der Subgruppenanalyse bezüglich der LDL-Spiegel zeigte sich jedoch ein Effekt: so gingen bei Patienten mit einem LDL < 2 mmol / l höhere HDL Spiegel mit einer höheren Gesamtmortalität (HR 1,14) und einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (HR 1,10) einher, verglichen mit Patienten mit LDL-Spiegeln zwischen 2,0 und 2,5 mmol / l oder > 2,5 mmol / l.

Folgerung Bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten mit Typ-2-Diabetes und einem LDL-Cholesterin < 2,0 mmol / l gingen höhere HDL-Spiegel unerwartetermaßen mit einem geteigerten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und einer erhöhten Gesamtmortalität einher, vergliche mit Patienten mit LDL-Spiegeln zwischen 2,0 und 2,5 mmol / l oder über 2,5 mmol / l. Nach Ansicht der Autoren sind weitere Studien nötig, um dieses Ergebnis zu bestätigen und die Kausalität zu untersuchen.

Dr. Johannes Weiß, Bad Kissingen