Handchir Mikrochir Plast Chir 2017; 49(01): 37-41
DOI: 10.1055/s-0042-121416
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erste Ergebnisse mit einer resorbierbaren MgYREZr-Kompressionsschraube bei der instabilen Kahnbeinfraktur zeigen eine massive Zystenbildung

First results with a resorbable MgYREZr compression screw in unstable scaphoid fractures show extensive bone cysts
Reinhard Meier
1  Klinik für Unfall- und Handchirurgie, HELIOS Klinikum Meiningen, Akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Jena
,
Martin Panzica
2  Unfallchirurgische Klinik, Medizinische Hochschule Hannover
› Institutsangaben
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

eingereicht 31. Juli 2016

akzeptiert 28. Oktober 2016

Publikationsdatum:
08. März 2017 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund

Die Osteosynthese mit kopflosen Kompressionsschrauben ist für instabile Kahnbeinfrakturen etabliert. Die derzeit üblichen Schrauben aus Titanlegierungen oder Stahl verbleiben in situ. Aufgrund der Dichte und ihrer ferromagnetischen Eigenschaften sind sie z.B. bei der Kernspintomografie Ursache von Artefakten in der postoperativen Bildgebung. Seit kurzem sind resorbierbare Metallschrauben auf Magnesiumbasis (MgYREZr) erhältlich. Bei knochenähnlichen biomechanische Eigenschaften sind sie eine Alternative zu nicht resorbierbaren Schraubensystemen.

Patienten und Methoden

5 Patienten wurden mittels einer Doppelgewindeschraube aus MgYREZr bei frischer Kahnbeinfraktur versorgt. Es handelte sich um drei A2-Frakturen und je eine B2- und B3-Fraktur. Alle Patienten wurden prospektiv postoperativ, nach 6 Wochen, nach 3 und 6 Monaten und nach 1 Jahr klinisch und radiologisch nachuntersucht. Neben der Beweglichkeit wurden die grobe Griffkraft und der Schmerz (VAS) dokumentiert. Die gewonnenen Ergebnisse flossen in den modifizierten Handgelenksscore ein. Präoperativ und zu allen Nachuntersuchungen wurden konventionelle Röntgenaufnahmen des Handgelenks angefertigt. Mindestens präoperativ sowie 3 Monate postoperativ erfolgte zudem eine computertomografische Untersuchung in Dünnschichttechnik. In allen Röntgenaufnahmen wurden vorhandene Zeichen für Korrekturverlust, Implantatresorption, Implantatlockerung, Zystenbildung und knöcherne Durchbauung (überbrückende Trabekelstrukturen) gesucht und deskriptiv erfasst.

Ergebnisse

Alle Patienten zeigten im Handgelenksscore nach einem Jahr sehr gute Werte (95–100 Punkte). Klinisch traten keine Komplikationen auf. Auffallend war jedoch der radiologische Heilungsverlauf. Hier fanden sich bei 3 der 5 Patienten ausgeprägte Resorptionszysten. Erst nach 6 Monaten war die Situation so weit konsolidiert, dass handwerkliche Tätigkeiten wiederaufgenommen werden konnten. Aufgrund dieser erheblichen Osteolysen wurde nach Einschluss von 5 Patienten kein weiterer Patient in die Studie aufgenommen.

Schlussfolgerung

Aufgrund der beobachteten Zystenbildung und der langen Zeit bis zur Konsolidierung kann der Einsatz der MgYREZr-Kompressionsschraube am Kahnbein im klinischen Alltag derzeit nicht empfohlen werden. Es bedarf weiterer Grundlagenuntersuchungen.

Abstract

Background

Osteosynthesis with headless compression screws is an established treatment option for unstable scaphoid fractures. Common implants are made of titanium alloy or steel and usually remain in place. Due to implant density and ferromagnetic properties, artefacts are common in postoperative imaging procedures, e.g. MRI. Now resorbable implants made of magnesium alloy (MgYREZr) have become available. They have biomechanical properties equivalent to human bone and may be used as an alternative to the nonresorbable screw systems.

Patients and Methods

5 patients with acute scaphoid fractures were treated with a double-threaded screw made of MgYREZr. The fractures included three type A2 fractures, one type B2 fracture, and one type B3 fracture. All patients underwent clinical and radiological follow-up postoperatively, 6 weeks, 3 and 6 months and 1 year after surgery. ROM, gross grip strength and pain (VAS) were documented. The Modified Mayo Wrist Score was used. Standard X-rays of the wrist were taken preoperatively and at all follow-up visits. A CT scan was performed at least before and three months after surgery. In all X-rays malunion, resorption of the implant, implant loosening, cysts and bone healing (bridging trabecular structures) were described.

Results

All patients had a very good wrist score (95–100 points) after one year. There were no clinical complications. However, the X-rays revealed extensive resorption cysts in 3 out of the 5 patients. It was only after 6 months that the fractures were consolidated enough to allow physical work. Due to this considerable osteolysis, we did not include any further patients.

Conclusion

Due to the observed extensive bone cysts and the long time period for bone healing, MgYREZr compression screws are currently not recommended for clinical use in scaphoid fractures. Further fundamental research is necessary.