Zentralbl Chir 2017; 142(01): 46-53
DOI: 10.1055/s-0042-116326
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Lehre im Fokus – Wie beurteilen Studierende ihre praktisch-klinische Ausbildung in der Chirurgie?

Teaching in Perspective – How Medical Students Assess Their Practical Clinical Training in Surgery
M. Rüsseler
1  Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Zentrum der Chirurgie, Deutschland
,
A. Schill
1  Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Zentrum der Chirurgie, Deutschland
,
P. Kalozoumi-Paisi
1  Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Zentrum der Chirurgie, Deutschland
,
C. Ganzert
1  Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Zentrum der Chirurgie, Deutschland
,
L. Arheilger
1  Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Zentrum der Chirurgie, Deutschland
,
J. Sterz
2  Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Zentrum der Chirurgie, Deutschland
,
T. Kollewe
3  Fachbereich Medizin, Frankfurter Arbeitsstelle für Medizindidaktik, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Deutschland
,
S. H. Hoefer
4  Klinik für Mund-. Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Zentrum der Chirurgie, Deutschland
,
F. Adili
5  Klinik für Gefäßmedizin – Gefäß- und Endovascularchirurgie, Klinikum Darmstadt, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
27 September 2016 (online)

Zusammenfassung

Einleitung: Praktische klinische Kompetenzen haben in der Ausübung des ärztlichen Berufs eine zentrale Bedeutung. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Studierenden insbesondere in praktischen Fertigkeiten nicht ausreichend ausgebildet sind und sich auch selbst nicht ausreichend ausgebildet fühlen. Durch die Novellierungen der ärztlichen Approbationsordnung sollte die praktische klinische Ausbildung gestärkt werden. Die vorliegende Studie wurde durchgeführt, um mithilfe von Fokusgruppen zu untersuchen, wie sich die praktische klinische Ausbildung im Klinikalltag aus Sicht der Lernenden gestaltet und welche Schwierigkeiten und Probleme sich dabei ergeben.

Material und Methoden: Bei der vorliegenden qualitativen Studie handelt es sich um eine Fokusgruppenanalyse. Die Fokusgruppeninterviews erfolgten in homogenen Gruppen (max. 6 Teilnehmer/Gruppe) aus gleichen Semestern anhand eines Interviewleitfadens. Bei den Teilnehmern handelte es sich um 31 Studierende und 4 Assistenzärzte im 1. Weiterbildungsjahr. Die Auswertung erfolgte mittels strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse.

Ergebnisse: In der vorliegenden Arbeit konnte gezeigt werden, dass die Studierenden dem Erwerb praktischer klinischer Kompetenz und v. a. praktischer Fertigkeiten in allen Ausbildungsabschnitten eine große Bedeutung beimessen. Durch das Fehlen definierter Ausbildungsziele für praktische Fertigkeiten in Praktika und Famulaturen ist die Ausbildung jedoch stark von der Motivation und dem Interesse der einzelnen Lehrenden und Studierenden abhängig. Auch können die Studierenden angesichts des Fehlens spezifischer Ausbildungsziele ihren eigenen Ausbildungsstand und ihre Kompetenzen nicht einschätzen. Dies wird durch den Umstand verstärkt, dass sie seitens der Dozenten selten Feedback bez. ihres Kompetenzstands erhalten. Mehrheitlich beklagten die Studierenden auch, dass die Ärztinnen und Ärzte nicht über ihren Wissens- und Ausbildungsstand informiert sind.

Schlussfolgerung: Die Fokusgruppenanalyse erfasst erstmalig detaillierte Erkenntnisse über den Verlauf und die Entwicklungen der praktischen Ausbildung im Fach Chirurgie. Wesentlich wird diese hierbei durch die individuell mit dem jeweiligen Studierenden kommunizierten Ausbildungsziele, dessen Supervision und Feedback beeinflusst.

Abstract

Introduction: Practical clinical expertise is a crucial part of medical professionalism. Several studies have shown that medical students are poorly trained in practical skills during their undergraduate training. Even the students rated their own expertise in practical skills as poor. The amendments to the German Regulating Licenses in Practical Medicine are intended to strengthen practical clinical training. The aim of the present study is to use focus groups to analyse practical clinical training with respect to organisation, difficulties and problems from the learnersʼ perspective.

Methods: The present qualitative study uses the focus group approach. Each focus group was composed of a maximum of 6 students per group with the same level of training. Using a standardised interview manual, a total of 31 students and four first-year residents participated in the study. Data interpretation was performed using structured qualitative content analysis.

Results: The present work demonstrates that students of all levels of training greatly value their training in practical clinical expertise, especially in clinical skills. Due to the lack of defined learning objectives for practical skills, students training in clinical internships and medical registrar positions are highly dependent on the motivation and interest of the individual clinical teacher and the learner himself. Students struggle to estimate their actual level of expertise due to the lack of defined learning objectives. This is exacerbated by the fact that students rarely receive feedback about their expertise. Students complain that many teachers do not know the level of training required of their students.

Conclusion: The definition of basic and specific learning objectives and the communication of this between learners and teachers is an essential part of practical clinical training.