Pädiatrie up2date 2016; 11(03): 235-256
DOI: 10.1055/s-0042-107932
Infektionskrankheiten
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Rationale Antiobiotika-Therapie in der Pädiatrie

Fabian Lander
,
Reinhard Berner
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Publication Date:
29 August 2016 (online)

Fazit

Bakterielle Infektionen und ihre Behandlung mit Antibiotika gehören zum Alltag eines jeden Pädiaters, sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Einem potenziell heilenden oder sogar lebensrettenden Einsatz einer antimikrobiellen Therapie stehen insbesondere im Rahmen einer (zu) häufigen Anwendung multiple Probleme wie Nebenwirkungen, die Verursachung von Kosten und die Förderung der Verbreitung von Antibiotika-resistenten Keimen gegenüber. In diesem Spannungsfeld vermitteln die Grundsätze einer rationalen Antibiotika-Therapie Prinzipien für eine vernunftgesteuerte optimale Behandlung des individuellen Patienten unter Minimierung der negativen Auswirkungen. Dies gewinnt insbesondere vor dem Hintergrund auch in der Pädiatrie zunehmender Resistenzprobleme an Bedeutung.

Eine rationale antimikrobielle Therapie beginnt mit einer kritischen Indikationsstellung: Die nachgewiesene Wirksamkeit einer Behandlung mit Antibiotika ist bei vielen häufigen Krankheitsbildern, die oft nur schwer von viralen Infektionen abzugrenzen sind und eine hohe Spontanheilungsrate aufweisen, überschaubar. Vor diesem Hintergrund sollte die Notwendigkeit einer antimikrobiellen Therapie anhand klar definierter Therapieziele kritisch hinterfragt werden und diejenigen Patienten identifiziert werden, die am meisten von einer Antibiotika-Therapie profitieren.

Die Auswahl eines geeigneten Antibiotikums in der empirischen Therapie richtet sich nach pharmakologischen Eigenschaften sowie der Infektionsdiagnose und der damit zu erwartenden Erreger, epidemiologischen Faktoren und den Charakteristika des betroffenen Patienten. Wichtig und leider in der Praxis häufig vernachlässigt sind die ständige Überprüfung der antimikrobiellen Behandlung im Verlauf und ihre Anpassung insbesondere bei neuen klinischen oder diagnostischen Befunden. Eine gute mikrobiologische Diagnostik ist dabei die Voraussetzung, um mittels einer gezielten, möglichst schmalen Therapie eine optimale Behandlung des Patienten zu erreichen.

Die im vorliegenden Artikel vorgestellten häufigen Krankheitsbilder und die entsprechenden Therapieempfehlungen zeigen exemplarisch Überlegungen einer rationalen Antibiotika-Therapie auf. Moderne Leitlinien, die in zunehmender Zahl verfügbar sind, machen die evidenzbasierte Begründung der Therapiestrategien verständlich und geben damit gut nachvollziehbare praxistaugliche Empfehlungen für häufige klinische Situationen.