Gesundheitswesen 2016; 78(05): 284
DOI: 10.1055/s-0042-107712
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

10 Jahre Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V. – Theorien und Methoden heute wichtiger denn je!

E. A. M. Edmund
,
G. Nellessen-Martens
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
01. Juni 2016 (online)

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Prof. Dr. Edmund A. M. Neugebauer Vorsitzender des DNVF e. V.
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Dr. Gisela Nellessen-Martens Geschäftsführerin des DNVF e. V.

Am 7. Juni feiert das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung e. V. (DNVF) im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin sein 10-jähriges Jubiläum (s. S. 282). Als sich das Netzwerk als gemeinnütziger Verein im Mai 2006 aus der ständigen Kongresskommission des Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung gründete, war den beteiligten Pionieren aus einzelnen Fachgesellschaften die Bedeutung der Versorgungsforschung, aber auch die bis dato geringe wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Wertschätzung der Versorgungsforschung in Deutschland, bewusst. Lange Zeit hat die Versorgungsforschung in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern wie USA, England und Niederlanden ein Schattendasein geführt. Die Sinnhaftigkeit wurde nicht gesehen, Forschungsmittel standen kaum zur Verfügung, die Bundesärztekammer (BÄK) hat erste Mittel zur Verfügung gestellt und sich als Geburtshelfer gezeigt, bis dann endlich das BMBF eher zögerlich ein Aktionsfeld Versorgungsforschung eingerichtet hat. Die ersten Fördermaßnahmen wurden oft in Partnerschaft mit Kostenträgern im Gesundheitswesen durchgeführt, weil man sich dadurch eine raschere Umsetzung der Ergebnisse in den Versorgungsalltag erhoffte. Inzwischen fördert das BMBF die Etablierung von Strukturen für die Koordination der Versorgungsforschung und für eine Erschließung der Forschungspotenziale an den jeweiligen Standorten. Mit Freude nehmen wir als Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) e. V. zur Kenntnis, dass die DFG mit Ihrer Nachwuchsakademie, das BMBF und einzelne Länder wie z. B. Baden-Württemberg, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zum Ziel haben.

Aktuell erfährt die Versorgungsforschung in Deutschland noch einmal einen starken Aufschwung. Dazu trägt wesentlich der im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz installierte Innovationsfonds bei, der mit 300 Millionen Euro pro Jahr für die nächsten 4 Jahre die Versorgungsforschung und die Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssystems stark beflügeln kann. Er soll insbesondere innovative, sektorenübergreifende Projekte erproben, die dann in die Regelversorgung übergehen. Das DNVF hat sich hier im gesamten Gesetzesverfahren durch Stellungnahmen und Anhörungen eingebracht und Vorschläge für Verbesserungen des Gesetzes gemacht, die auch in für uns wichtigen Teilen umgesetzt wurden.

„Lobbyarbeit für Versorgungsforschung“, eine Aufgabe, welche die Agenda des DNVF in den ersten Jahren dominierte, erscheint 10 Jahre nach Vereinsgründung im bisherigen Sinne nicht mehr notwendig zu sein. Aus Sicht des DNVF gilt es heute die Lobbyarbeit für gute Versorgungsforschung zu verstärken. Von Beginn an war es eine zentrale Aufgabe des DNVF, den Diskurs der verschiedenen Fachgesellschaften zu den Methoden in der Versorgungsforschung und die Definition von Mindeststandards zu moderieren. Unsere Methodenmemoranden und Diskussionspapiere haben wir in unserem Publikationsorgan, dem Gesundheitswesen jeweils publiziert.

Neben der Frage der methodischen Angemessenheit ist die theoretische Fundierung in der Versorgungsforschung ein weiteres zentrales Qualitätskriterium guter Forschung. Wir freuen uns daher in dieser Ausgabe das Memorandum IV „Theorien in der Versorgungsforschung“, das in der Arbeitsgruppe unter Leitung von Herrn Dr. Baumann entstanden ist, publizieren zu können. Wir danken an dieser Stelle herzlich den Autoren, AG-Mitgliedern und den DNVF-Mitgliedern, die sich aktiv in den Diskussions- und Entwicklungsprozess eingebracht haben. Ebenso gilt unser Dank dem Verlag und den Schriftleitern, allen voran Prof. Wildner, die uns diese Zeitschrift seit 2009 als Publikationsorgan zur Verfügung stellen.

Das Ziel, der Versorgungsforschung in Deutschland die notwendige wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Anerkennung zu verschaffen, haben wir erreicht. Aber neue Aufgaben und Herausforderungen an die Versorgungsforschung 2020 warten. Wir freuen uns diese gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaftler, der Versorgungspraxis, der Gesundheitspolitik und Patientenvertretern am 7. Juni gemeinsam in Berlin diskutieren zu können. Und laden hierzu alle interessierten ein.