Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76(06): 675-678
DOI: 10.1055/s-0042-106625
Geschichte der Gynäkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Meilensteine der Präventionsmedizin. Carl Siegmund Franz Credé (1819–1892), der Credésche Handgriff und die Credésche Augenprophylaxe

Andreas D. Ebert
,
Matthias David
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Publication Date:
27 June 2016 (online)

1876 war bei mehr als 30 % aller Blinden im Deutschen Reich der Verlust der Sehkraft ursächlich auf eine gonorrhoische Infektion des Konjunktivalsacks zurückzuführen [1]. 1881 führte der Geburtshelfer Carl Siegmund Credé ([Abb. 1]) in Leipzig die Silbernitrat-Augenprophylaxe bei Säuglingen ein – eine medizinhistorische und präventionsmedizinische Großtat. 1986 wurde in Deutschland die bis dato gesetzlich bei Neugeborenen vorgeschriebene Augenprophylaxe mit Argentum nitricum (AgNO3) nach Credé in eine Empfehlung umgewandelt und 2006 erschien schließlich die letzte Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) zu diesem Thema [3]. Der „Credésche Handgriff“ zur Behandlung der Nachgeburt hat sich seit der Zeit von Semmelweis in über 150 Jahren bewährt, wird in speziellen Situationen noch heute angewandt und findet sich in den Standardlehrbüchern [4].

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