neuroreha 2016; 08(02): 55
DOI: 10.1055/s-0042-106237
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Langzeitvorhersage zur Spastik nach Schlaganfall

Jan Mehrholz
1   Private Europäische Medizinische Akademie der Klinik Bavaria in Kreischa GmbH, An der Wolfsschlucht 1–2; 01731 Kreischa
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Publication History

Publication Date:
10 June 2016 (online)

Zusammenfassung der Studie

Ziele

Ziel der Studie war es, eine Langzeitvorhersage zur Spastik nach Schlaganfall zu geben und Faktoren und den optimalen Zeitpunkt für die frühe Vorhersage von Spastik der oberen Extremität zwölf Monate nach Schlaganfall abzuleiten.


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Methodik

Design. Kohortenstudie – Prädiktionsstudie

Ein- und Ausschlusskriterien. Eingeschlossen wurden Patienten mit dokumentierter Armparese älter als 18 Jahre nach erstem ischämischem oder hämorrhagischem Schlaganfall, die in einer von drei akuten Schlaganfallstationen im Raum Göteborg, Schweden innerhalb von drei Tagen nach Schlaganfall zwischen 2009–2010 aufgenommen worden. Die Patienten waren Teil einer etwas größeren Studie der „Stroke Arm Longitudinal Study at the University of Gothenburg (SALGOT)“ in Göteborg.

Messungen. In der Studie wurden Patienten neunmal innerhalb eines Jahres untersucht: zu Beginn, nach drei Tagen, nach zehn Tagen, nach drei, vier und sechs Wochen sowie nach drei, sechs und zwölf Monaten nach Schlaganfall.

Die Armfunktion wurde mit dem Action-Research-Arm-Test (ARAT) gemessen.

Spastik wurde definiert als ein Wert von ≥ 1 auf der modifizierten Ashworth-Skala in einem der Muskeln der Ellbogenbeuger und -strecker sowie der Handgelenkbeuger und -strecker.

Schwere Spastik wurde definiert als ein Wert von ≥ 2 auf der modifizierten Ashworth-Skala in einem der Muskeln der Ellbogenbeuger und -strecker sowie der Handgelenkbeuger und -strecker.

Außerdem wurden sensomotorische Funktionen, Oberflächensensibilität, Schmerz und Gelenkbeweglichkeit der oberen Extremitäten mit dem Fugl-Meyer-Armtest (FMA) untersucht. Demografische und diagnostische Informationen wurden ebenfalls ausgewertet.

Zur Analyse der primären Endpunkte (Spastik sowie auch schwere Spastik zwölf Monate nach Schlaganfall) wurden uni- und multivariate logistische Regressionsmodelle genutzt.


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Ergebnisse

Insgesamt wurden 117 Patienten rund um das Gebiet um Göteborg untersucht. 77 Patienten wurden in die logistische Regressionsanalyse eingeschlossen. Im Ergebnis zeigte sich, dass die sensomotorische Funktion der wichtigste Vorhersagefaktor sowohl für Spastik als auch für schwere Spastik zwölf Monate nach Schlaganfall war. Zusätzlich zeigte sich, dass Spastik vier Wochen nach Schlaganfall ein signifikanter Vorhersagefaktor für schwere Spastik nach einem Jahr war. Das beste Vorhersagemodell für Spastik nach einem Jahr wurde zehn Tage nach Schlaganfall gefunden. Das beste statistische Vorhersagemodell hatte eine Sensitivität von 85 % und eine Spezifität von 90 %. Das beste Vorhersagemodell für schwere Spastik nach einem Jahr fand man nach vier Wochen nach Schlaganfall und hatte eine Sensitivität von 91 % und eine Spezifität von 92 %.


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Schlussfolgerung

Die Autoren schlussfolgern, dass in ihrer Studie die reduzierte sensomotorische Funktion der wichtigste bedeutsame Vorhersagefaktor sowohl für Spastik als auch für schwere Spastik war. Spastik konnte mit relativ hoher Sensitivität und Spezifität zehn Tage nach Schlaganfall vorhergesagt werden.


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