Gesundheitswesen 2017; 79(12): 1004-1011
DOI: 10.1055/s-0042-100620
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prozeduren, die in der Allgemeinmedizin durchgeführt werden – eine Querschnittstudie

Procedures Performed in General Practice – a Cross-sectional Study
J. Steinhäuser
1  Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck
2  Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
,
K. Jäkel
1  Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck
2  Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
,
J. Szecsenyi
2  Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
,
K. Goetz
1  Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck
2  Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
,
T. Ledig
2  Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
,
S. Joos
3  Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
2  Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
12 May 2016 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Allgemeinmedizin (AM) beinhaltet die Grundversorgung aller Patienten. Dementsprechend führen Allgemeinärzte vielfältige diagnostische oder therapeutische Maßnahmen (= medizinische Prozeduren) durch. Für die Abschätzung des Leistungsspektrums von Hausärzten aus Sicht der Versorgungsforschung ist es unabdingbar, die wesentlichen medizinischen Prozeduren, die von Allgemeinärzten vorgehalten werden, zu kennen und wesentliche Einflussfaktoren darauf zu identifizieren.

Methodik: Aus den Ergebnissen einer selektiven Literaturrecherche, den Anforderungen der Weiterbildungsordnung und den Erfahrungen der Autoren aus dem bisherigen Entwicklungsprozess des kompetenzbasierten Curriculums AM wurde ein Fragebogen mit 89 verschiedenen medizinischen Prozeduren erstellt. Dieser wurde an eine zufällige Stichprobe von 1 576 Allgemeinärzten in ganz Deutschland versendet.

Ergebnisse: Die Rücklaufquote betrug 42%. 42 der 89 Prozeduren wurden von mindestens 50% der Teilnehmer in ihrer Praxis durchgeführt. Diese Prozeduren betreffen vor allem solche, die der Haut, den Augen, den Ohren, der Nase, dem Gastrointestinaltrakt, dem Harntrakt und dem Muskuloskeletalsystem zugeordnet werden können. Signifikante Unterschiede zeigten sich bei 25 der 42 häufigsten Prozeduren hinsichtlich ländlich und städtisch praktizierender Ärzte, bei 9 Prozeduren hinsichtlich der Dauer der hausärztlichen Tätigkeit und bei 19 Prozeduren hinsichtlich des Geschlechts der Teilnehmer.

Schlussfolgerung: Mit der vorliegenden Erhebung konnte erstmals gezeigt werden, welche medizinischen Prozeduren von Allgemeinärzten mit welcher Häufigkeit in Deutschland durchgeführt werden. Mit der Lokalisation des Praxissitzes im ländlichen oder städtischen Bereich, dem Geschlecht und der Niederlassungsdauer konnten wesentliche Einflussfaktoren auf das Leistungsspektrum identifiziert werden.

Abstract

Objective: General practice offers basic medical care to patients. Therefore, general practitioners (GPs) perform a variety of medical procedures. In order to estimate GPs array of services from the perspective of health services research, it is indispensable to know the procedures that are carried out by GPs and identify relevant influencing factors.

Methods: Based on the results of a selective literature search, the Medical Association’s regulations on specialty training and experiences gained so far in developing the competence-based curriculum for general practice, a questionnaire covering 89 procedures was developed and sent to 1 576 general practitioners all over Germany.

Results: The response rate was 42%; 42 of 89 procedures were carried out by at least 50% of the participants. These procedures include the anatomical areas skin, eyes, ears, nose, gastrointestinal tract, urological tract and musculoskeletal system. Significant differences were shown in 25 of the most frequent procedures regarding practices in urban and rural areas, in 9 procedures with regard to the participant‘s length of occupation in general practice and in 19 procedures regarding male and female participants.

Conclusion: This is the first survey that shows which procedures are performed by German GPs and how often they are performed. Factors such as practice location in either rural or urban area, physician’s gender and years practiced as GP have been identified as important influences on the spectrum of services provided.

Ergänzendes Material