Gesundheitswesen 2017; 79(12): 1012-1018
DOI: 10.1055/s-0041-110677
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mobile Versorgungseinrichtungen zur Stärkung der Versorgungssicherheit im ländlichen Raum? Eine Analyse von Konzepten und Implementationsanforderungen

Mobile Health Units: An Analysis of Concepts and Implementation Requirements in Rural Regions.
K. Hämel
1  Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
,
J. Kutzner
1  Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
,
J. Vorderwülbecke
1  Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
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Publication Date:
22 December 2015 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung stellt in ländlichen Regionen Deutschlands eine zunehmende Herausforderung dar. Die Entwicklung von Versorgungsmodellen, die gezielt auf Probleme reagieren und besonders den steigenden Bedarf an Versorgungsleistungen für alte Menschen berücksichtigen, ist daher ein wichtiges Anliegen. Ein Modell, das in anderen Ländern bereits Verbreitung gefunden hat, sind mobile Versorgungseinrichtungen. Bisher gibt es aber keinen Überblick über ihre möglichen Ziele, Funktionsweisen und Implementationsanforderungen.

Methodik: Die vorliegende Überblicksarbeit basiert auf der Auswertung internationaler Literatur und einer Internetrecherche über mobile Versorgungseinrichtungen im ländlichen Raum.

Ergebnisse: Mobile Einrichtungen zielen auf die Vermeidung regionaler Unterversorgung und adressieren besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen. In der Literatur werden mobile Einrichtungen beschrieben, die bestimmte Krankheitsbilder fokussieren, ebenso solche, die eine umfassende, teils multiprofessionelle wohnortnahe Primärversorgung leisten. Oft steht die Versorgung von Menschen mit chronischen Krankheiten im Zentrum. Die Implementation mobiler Einrichtungen ist anspruchsvoll; zentrale Anforderungen sind (a) die Ausrichtung am Bedarf der regionalen Bevölkerung, (b) ein nutzerorientierter Zugang und die Förderung der Bekanntheit und Akzeptanz des Angebots sowie (c) die Vernetzung mit bestehenden Versorgungsstrukturen zur Sicherstellung von Versorgungskontinuität. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist eine gemeindeorientierte Arbeitsweise bei der Programmentwicklung und -implementation wichtige Grundlage.

Schlussfolgerungen: Mobile Einrichtungen können für die Versorgung ländlicher Regionen Deutschlands ein interessantes Modell darstellen und werden auch hierzulande bereits erprobt. Internationale Erfahrungen stellen einen wichtigen Ausgangspunkt dar und sollten bei der Konzeptentwicklung berücksichtigt werden.

Abstract

Background: Access to health services in rural regions represents a challenge. The development of care models that respond to health service shortages and pay particular attention to the increasing health care needs of the elderly is an important concern. A model that has been implemented in other countries is that of mobile health units. But until now, there is no overview of their possible objectives, functions and implementation requirements.

Method: This paper is based on a literature analysis and an internet research on mobile health units in rural regions.

Results: Mobile health units aim to avoid regional undersupply and address particularly vulnerable population groups. In the literature, mobile health units are described with a focus on specific illnesses, as well as those that provide comprehensive, partly multi-professional primary care that is close to patients’ homes. The implementation of mobile health units is demanding; the key challenges are (a) alignment to the needs of the regional population, (b) user-oriented access and promotion of awareness and acceptance of mobile health units by the local population, and (c) network building within existing care structures to ensure continuity of care for patients. To fulfill these requirements, a community-oriented program development and implementation is important.

Conclusions: Mobile health units could represent an interesting model for the provision of health care in rural regions in Germany. International experiences are an important starting point and should be taken into account for the further development of models in Germany.