Gesundheitswesen 2017; 79(12): 993-999
DOI: 10.1055/s-0041-110675
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vergleich gesundheitsrelevanter Verhaltensmuster von Jungen und Mädchen in Deutschland: Ergebnisse der MoMo Studie

Comparison of Health-related Behavior Patterns of Boys and Girls in Germany: Results of the MoMo Study
S. Spengler
1  Technische Universität München, Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften, München
,
F. Mess
1  Technische Universität München, Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften, München
,
A. Woll
2  Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Sport und Sportwissenschaft, Karlsruhe
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Publication History

Publication Date:
22 December 2015 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Um die Gesundheit von Jugendlichen optimal fördern zu können ist es wichtig, typische jugendliche Verhaltensmuster zu kennen. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, geschlechtsspezifische gesundheitsrelevante Verhaltensmuster von Jugendlichen in Deutschland zu identifizieren und zu vergleichen.

Methodik: Im Rahmen des KiGGS Surveys und der MoMo Studie wurden 832 Jungen und 811 Mädchen (11–17 Jahre) zum Gesundheitsverhalten befragt. Mit den Indices Aktivitätslevel, Ernährungsqualität und Medienkonsum wurden Clusteranalysen für Jungen und Mädchen getrennt durchgeführt.

Ergebnisse: Für beide Geschlechter konnten jeweils 4 Gesundheitsverhaltensmuster identifiziert werden, die sich hinsichtlich ihrer Ausprägungen ähneln, sich jedoch in Bezug auf Clustergröße, Ausprägungsstärke der Verhaltensweisen und Korrelate unterscheiden: Mädchen haben seltener ein sportorientiertes Verhaltensmuster als Jungen, Aktivitätslevel und Medienkonsum sind insgesamt bei den Verhaltensmustern der Mädchen schwächer ausgeprägt. Die Verhaltensmuster der Mädchen sind stärker als die der Jungen mit dem sozialen Status assoziiert, bei Jungen unterscheidet sich die Übergewichtsprävalenz je nach Verhaltensmuster signifikant.

Schlussfolgerungen: Die ähnlichen Clusterlösungen unterstützen die Annahme, dass stabile typische Gesundheitsverhaltensmuster bei deutschen Jugendlichen existieren, was die Auswahl von homogenen Zielgruppen für Lebensstilinterventionen erleichtert. Die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen verweisen darauf, dass Gesundheitsförderprogramme geschlechtsabhängig unterschiedliche Schwerpunkte verfolgen sollten.

Abstract

Aim of the study: For optimal health promotion in adolescents, it is important to know their typical behavior patterns. The aims of this study were to identify and compare sex-specific health-related behavior patterns of adolescents in Germany.

Methods: The KiGGS Survey and the MoMo Study assessed the health behavior of 832 boys and 811 girls by means of a questionnaire. The indices physical activity, diet quality and media use were included in cluster analyses for boys and girls separately.

Results: For each sex, 4 clusters with similar characteristics on the three included indices were identified. However, cluster size, level of the characteristics and correlates were different in boys and girls: fewer girls showed high activity levels. Overall, physical activity and media use were less pronounced in the behavior pattern of girls. There was a stronger association of behavior patterns with socio-economic status in girls. In boys, behavior patterns were significantly associated with prevalence of overweight.

Conclusions: The similar cluster solutions for boys and girls support the assumption that there are typical health-related behavior patterns among German adolescents. This finding might facilitate the precise definition of homogeneous target groups for health promotion programs. Furthermore, it seems that sex-specific foci should be set.