Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2015; 50(10): 628-636
DOI: 10.1055/s-0041-107111
Fachwissen
Intensivmedizin & Notfallmedizin: Topthema
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Hyperbare Therapie und Tauchmedizin – Hyperbare Therapie Teil 2: adjuvante Therapieoptionen

Hyperbaric therapy and diving medicine – hyperbaric therapy part 2: adjuvant therapy
Kay Tetzlaff
,
Björn Jüttner
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Publication History

Publication Date:
28 October 2015 (online)

Zusammenfassung

Die hyperbare O2-Therapie (HBO), d. h. Atmung von reinem O2 unter erhöhtem Umgebungsdruck, ist in der Versorgung des schweren Dekompressionsunfalls und der Luft- oder Gasembolie ohne therapeutische Alternative. Für die Akutversorgung der Kohlenmonoxidvergiftung und der clostridialenMyonekrose (Gasbrand) mit einer HBO bestehen derzeit weniger eindeutige Therapieempfehlungen. Die vorliegende systematische Literaturanalyse trägt den gegenwärtigen Erkenntnisstand zur Wirksamkeit der HBO zusammen, gemessen an den Kriterien klinischer Evidenz. Der 1. Teil des Artikels bewertet die Notfallindikationen Luft-/Gasembolie, Dekompressionskrankheit, Kohlenmonoxidvergiftung, Gasbrand, nekrotisierende Weichteilinfektionen, akute traumatische muskuläre Ischämien und den retinalen Arterienverschluss. Der 2. Teil beschreibt weitere Indikationen der HBO als adjuvante Therapie und diskutiert, warum die Bewertung dieser Methode nach den Kriterien evidenzbasierter Medizin problematisch ist.

Abstract

Hyperbaric oxygen therapy (HBOT), i. e. breathing pure oxygen at elevated ambient pressure, remains the gold standard of care in treating air or gas embolism and decompression illness. Guidelines are less clear on the value of HBOT in acute management of carbon monoxide (CO) poisoning or clostridial necrosis. To evaluate the evidence of clinical efficacy of HBOT we performed a systematic literature review. Part 1 assesses acute indications such as air or gas embolism, decompression sickness, CO-poisoning, clostridialmyonecrosis, necrotizing problem wounds, acute traumatic wounds and arterial retinal occlusion. Part 2 discusses further uses of HBOT as adjuvant treatment and highlights problems in assessing the value of HBOT using evidence-based medicine criteria.

Kernaussagen

  • Beim diabetischen Fußsyndrom bewirkt die hyperbare Oxygenierung (HBO) eine bessere kurzfristige Wundheilung.

  • Positive klinische Effekte der HBO bei therapierefraktärer Osteomyelitis sind durch Fallberichte und retrospektive Studien belegt.

  • Es besteht eine gute Evidenz, dass eine HBO bei Osteoradionekrosen den Erhalt der Schleimhautdeckung unterstützt.

  • In einer Studie zeigte sich nach Split-Hauttransplantationen bei Brandverletzten ein signifikant verbessertes Transplantatüberleben nach HBO.

  • Insgesamt konnte bei gefährdeten Haut- /Weichteiltransplantaten nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass die HBO das Behandlungsergebnis verbessert.

  • Mehrere Untersuchungen zeigten bei Verbrennungsverletzungen keinen Unterschied zwischen einer Standardbehandlung mit oder ohne HBO.

  • Beim akuten Hörverlust bietet die HBO hinsichtlich einer 25 %-igen Verbesserung in der Audiometrie einen Vorteil gegenüber der Kontrolltherapie.

  • Die Kombination aus intratympanaler Steroidgabe und HBO beim akuten Hörsturz scheint eine vielversprechende therapeutische Option nach ausbleibender Besserung auf systemische Steroidgabe zu sein.

  • Für die HBO liegen biologische bzw. mechanistische Plausibilität der Wirksamkeit und Evidenz in Tierversuchen für die meisten der anerkannten Indikationen vor.

Ergänzendes Material