Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2016; 51(06): 402-409
DOI: 10.1055/s-0041-106371
Fachwissen: Topthema
Anästhesiologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Asthma bronchiale - Anästhesiologisches Management

Anesthetic management in bronchial asthma
Alf Kozian
1  Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
,
Thomas Schilling
1  Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
,
Thomas Hachenberg
1  Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
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Publication Date:
30 June 2016 (online)

Zusammenfassung

In der anästhesiologischen Praxis haben Atemwegs- und Lungenerkrankungen einen hohen Stellenwert. Das pulmonale System wird sowohl durch die Allgemein- als auch durch die Regionalanästhesie erheblich beeinflusst. Dies lässt sich durch deutlich häufiger auftretende perioperative Komplikationen bei pulmonalen Risikopatienten im Vergleich mit Lungengesunden nachweisen. Die Durchführung einer Anästhesie bei Patienten mit Asthma muss verschiedene klinische Aspekte berücksichtigen. Diese beruhen v. a. auf der pulmonalen Erkrankung des Patienten, Art und Ausmaß des chirurgischen Eingriffs und den Wirkungen von Anästhetika und mechanischer Ventilation auf die pulmonale und kardiale Funktion. Der nachfolgende Artikel beschreibt wesentliche Charakteristika und diskutiert Probleme des anästhesiologischen Managements bei Asthmapatienten.

Abstract

In daily practice, acute and chronic pulmonary diseases are common issues presenting to the anesthetist. Respiratory physiology in general is affected by both general and regional anesthesia, which results in an increased number of perioperative complications in pulmonary risk patients. Therefore, anesthetic management of patients with bronchial asthma needs to address different clinical topics: the physical appearance of pulmonary disease, type and extent of surgical intervention as well as effects of therapeutic drugs, anesthetics and mechanical ventilation on respiratory function. The present work describes important precautions in preoperative scheduling of the asthmatic patient. In the operative course, airway manipulation and a number of anesthetics are able to trigger intraoperative bronchial spasm with possibly fatal outcome. It is essential to avoid these substances to prevent asthma attack. If asthmatic status occurs, appropriate procedures according to therapeutic standards have to be applied to the patient. Postoperatively, sufficient pain therapy avoids pulmonary complications and improves outcome.

Kernaussagen

  • Der intraoperative, asthmabedingte Bronchospasmus ist ein seltenes, aber potenziell lebensbedrohliches Ereignis.

  • Die präoperative Evaluation des Asthmapatienten ist darauf ausgerichtet, Risikofaktoren für einen Bronchospasmus sowie die akute Exazerbation des Asthma bronchiale zu identifizieren.

  • Eine optimale präoperative Asthmatherapie kann die Inzidenz perioperativer Bronchospasmen wirksam reduzieren.

  • Bei entsprechender Indikation ist eine Regionalanästhesie vorzuziehen, um Atemwegsirritationen und andere potenzielle Auslöser eines Bronchospasmus zu vermeiden.

  • Histaminfreisetzende Arzneimittel sollten unbedingt vermieden werden.

  • Die akute intraoperative Exazerbation des Asthma bronchiale während einer Allgemeinanästhesie mit mechanischer Ventilation kann bei dynamischer Hyperinflation ein „air trapping“ verursachen. Dieses kann den venösen Rückfluss beeinträchtigen und somit die Herzleistung kritisch verringern.

  • Eine unzureichende Anästhesietiefe begünstigt das Auftreten eines Bronchospasmus. Deshalb kann die Anästhesieausleitung erheblich beeinträchtigt sein. Wenn möglich, sollte die Extubation in tiefer Allgemeinanästhesie erfolgen.

  • Eine optimale postoperative Schmerztherapie des Patienten verringert die Inzidenz postoperativer pulmonaler Komplikationen.