Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2015; 50(5): 350-357
DOI: 10.1055/s-0041-102297
Fachwissen
Anästhesiologie: Topthema
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Perioperative Herzinsuffizienz – Anästhesieführung und Monitoring

Perioperative heart failure – Anesthetic management and monitoring
Matthias Grünewald
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Publication Date:
27 May 2015 (online)

Zusammenfassung

Aufgrund der demografischen und medizinischen Entwicklung wird die Zahl der anästhesiologisch betreuten Patienten mit einer Herzinsuffizienz in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Für die optimale Betreuung dieser Patienten ist eine enge Abstimmung zwischen der operativ behandelnden Abteilung, der Kardiologie und der Anästhesie wichtig. Die kardiale Funktion und strukturelle Besonderheiten, wie kardiale Vitien, sollten präoperativ bekannt sein. So können die Anästhesieführung, das intraoperative Monitoring sowie die eventuell notwendigen pharmakologischen Interventionen abgestimmt werden. Gerade bei Hochrisikopatienten ist eine zielgerichtete hämodynamische Therapie sinnvoll. Hierfür stehen neben den etablierten Verfahren, zunehmend weniger invasive Monitoringverfahren zur Verfügung. Während einer akuten hämodynamschen Instabilität gewinnt die transösophageale Echokardiografie aufgrund seiner breiten Diagnostik an Bedeutung.

Due to the demographic and medical development, the number of patients with heart failure needing anaesthesiological care will continue to grow in the upcoming years. For the optimal care of these patients close coordination between the surgically treating, the cardiology and the anesthesiological department is important. Cardiac function and structural characters, such as cardiac valve defects should be known preoperatively. Thus, the anaesthetic management, intraoperative monitoring, as well as necessary pharmacological interventions can be tailored. Especially in high-risk patients goal directed hemodynamic therapy is useful. For this, in addition to the established monitoring procedures, less invasive monitoring devices areincreasingly used. During an acutehaemodynamic instability, thetransoesophageal echocardiography is gaining importance due to its wide diagnostic evaluation.

Kernaussagen Dachzeile

  • Patienten mit Herzinsuffizienz gehören zu den Hochrisikopatienten. Die perioperative Therapie muss eng zwischen Operateur, Kardiologe und Anästhesist abgestimmt werden.

  • Die präoperative Kenntnis der kardialen Strukturen und Funktionen ist für die Anästhesieführung essenziell.

  • Etomidat oder Propofol können zur Einleitung einer Anästhesie bei Patienten mit Herzinsuffizienz verwendet werden, wobei Etomidat bei höhergradiger Herzinsuffizienz bevorzugt werden sollte.

  • Als Inotropika stehen intraoperativ Phosphodiesterase-Inhibitoren und Levosimendan zur Verfügung.

  • Patienten mit Arrhythmien haben ein besonders hohes Risiko und benötigen ein besonderes Management, inklusive der Kenntnis von Besonderheiten im Umgang mit elektrischen Aggregaten.

  • Für Hochrisikopatienten wie Patienten mit relevanter Herzinsuffizienz wird eine zielgerichtete hämodynamische Therapie empfohlen.

  • Bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz ist ein erweitertes hämodynamisches Monitoring zur Steuerung einer zielgerichteten Therapie sinnvoll.

  • Die transösophagelae Echokardiografie (TEE) sollte bei Patienten mit hohem kardialen Ischämierisiko, bei erwarteten Volumenschwankungen und bei akut instabilen Patienten eingesetzt werden.

Ergänzendes Material