Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2015; 50(4): 238-243
DOI: 10.1055/s-0041-100894
Fachwissen
Notfallmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Antiemetische Therapie in der präklinischen Notfallmedizin – Aktuelle Studienlage

Antiemetic therapy in preclinical emergency medicine – a literature review
Johannes Luxen
,
Heiko Trentzsch
,
Bert Urban
,
Stephan Prückner
Further Information

Publication History

Publication Date:
28 April 2015 (online)

Zusammenfassung

Übelkeit und Erbrechen sind in der Notfallmedizin eine häufige Symptomatik, die einer gezielten medikamentösen Intervention bedarf. Trotz der bekannten Nachteile hinsichtlich Wirksamkeit und Nebenwirkungen kommt Metoclopramid zur Therapie von Übelkeit und Erbrechen im Rettungsdienst noch heute häufig zum Einsatz. Die aktuelle Studienlage zeigt, dass Metoclopramid v. a. bei opioidinduziertem Erbrechen gegenüber Placebo nicht signifikant wirksam ist. Dimenhydrinat ist bei verschiedenen Formen der Übelkeit ein wirksames Medikament, kann jedoch aufgrund seines sedierenden Effekts in der Notfallmedizin oft relativ oder absolut kontraindiziert sein. Die 5-HT3-Antagonisten scheinen nach aktueller Literaturlage als gute Alternative zur Behandlung der Emesis im Rettungsdienst geeignet – wenngleich auch hier, wie bei allen Antiemetika, Höchstdosierungen und potenzielle Nebenwirkungen zu beachten sind. Außerdem fehlt allen 5-HT3-Antagonisten die Zulassung außerhalb des Chemotherapie-induzierten Erbrechens oder bei PONV. Vor diesem Hintergrund kann die Erweiterung der medikamentösen Ausstattung der Rettungsmittel um 5-HT3-Antagonisten neben Dimenhydrinat erwogen werden. Eine routinemäßige Gabe eines bestimmten Antiemetikums sollte nicht erfolgen.

Abstract

Nausea and vomiting are frequent symptoms in emergency medicine and require a targeted drug intervention. Despite known disadvantages in terms of efficacy and side effects, metoclopramide is still often used in the emergency medical service to treat nausea and vomiting. Recent studies show that, especially in the therapy of opioid-triggered vomiting, metoclopramide is not significantly effective when compared to placebo. Dimenhydrinate seems to be an effective drug for various forms of nausea, but can often be relatively or absolutely contraindicated in emergency medicine due to its sedative effect. Based on a literature review, 5-HT3-antagonists appear to be a good alternative for the treatment of emesis in the emergency service. However, as for all antiemetics, the maximum dosage and potential side effects need to be paid attention to. In addition, neither of the 5-HT3-antagonists are approved for therapy of non-chemotherapy-induced vomiting or PONV. In conclusion, it may be considered to include 5-HT3-antagonists in addition to dimenhydrinate in the ambulance medical equipment. The routine use of a specific antiemetic is not recommended.

Kernaussagen

  • Das in der notfallmedizinischen Versorgung noch immer häufig eingesetzte Metoclopramid (MCP) zeigte in mehreren randomisierten, placebokontrollierten Studien keine signifikante Wirkung. Auch im direkten Vergleich mit dem 5-HT3-Antagonisten Tropisetron war MCP hinsichtlich der Häufigkeit von Erbrechen signifikant weniger oder max. vergleichbar wirksam. Hinzu kommen die unerwünschten Nebenwirkungen einschließlich der aktuellen Zulassungsbeschränkungen des BfArM.

  • Dimenhydrinat hat v. a. bei Kinetosen eine gute antiemetische Potenz. Jedoch treten auch hier Nebenwirkungen auf, z. B. eine starke Sedierung. Diese kann im Einzelfall gewünscht, aber auch eine Kontraindikation sein.

  • Droperidol hat für die Behandlung von PONV in zahlreichen Untersuchungen eine gute Wirksamkeit bewiesen. Es liegen allerdings nur spärliche Daten für den Einsatz in der Notfallmedizin vor.

  • Mit den 5-HT3-Antagonisten sind – bei Beachtung der Nebenwirkungen und Kontraindikationen – potente und gut verträgliche Antiemetika am Markt vorhanden, die auch für den Einsatz in der Notfallmedizin gut geeignet sind. Vor allem für den Einsatz bei pädiatrischen Patienten mit gastrointestinal-induziertem Erbrechen scheinen sie gut geeignet zu sein.

  • Der Einsatz von Antiemetika sollte immer unter Berücksichtigung des Wirkungs- / Nebenwirkungsverhältnisses und nach Ausschöpfung einer ursachenspezifischen Behandlung erfolgen. Eine routinemäßige Gabe eines bestimmten Antiemetikums ist nicht angezeigt.

Ergänzendes Material