Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(10): e171
DOI: 10.1055/s-0040-1718078
Poster
Mittwoch, 7.10.2020
Konservative Gynäkologie/Übergreifende Themen I

Mögliche psychische Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs für die betroffene Frau. Ergebnisse einer selektiven Literaturrecherche für die Jahre 2010 bis 2019

A. Kogler
1   Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Gynäkologie, Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
,
M. David
1   Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Gynäkologie, Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
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Hintergrund In der Bundesrepublik Deutschland werden jährlich rund 100.000 Abruptiones pro Jahr durchgeführt. Unklar ist, ob ein Schwangerschaftsabbruch im weiteren Leben der betroffenen Frau psychische oder körperliche Langzeitfolgen nach sich zieht. Aktuelle deutschsprachige Literatur, welche sowohl den internationalen als auch heimischen Forschungsstand zusammenfasst und interpretiert, ist zum momentanen Zeitpunkt nicht oder nur unzureichend vorhanden.

Methoden Selektive Literaturrecherche in PubMed für den Publikationszeitraum 2010 bis 2019 anhand der Begriffe Abortion, Mental, Induced, Induced Abortion, Disorder, Consequences, Depression, Anxiety und Pregnancy.; Fokus auf retro- und prospektive Längs- und Querschnittstudien.

Ergebnisse Die erste, nicht gefilterte Abfrage ergab 925 Treffer. Nach Anwendung selbst definierter Ein- und Ausschlusskriterien verblieben 13 Studien zu möglichen psychischen und 5 Studien, die auch mögliche körperliche Folgen betrachten. Sowohl Intimate Partner Violence, als auch Gender-based Violence und Suizidgedanken wiesen einen signifikanten Zusammenhang mit Abruptiones auf. Für Posttraumatic Stress Disorder, Posttraumatic Stress Symptoms, Depressionen und Angststörungen wurden tendentiell erhöhte, aber nicht-signifikante Risiken berichtet. Lediglich zwei Studien zeigen ein signifikant erhöhtes Risiko. Die Studiengruppen wiesen oft bestimmte soziodemographische Merkmale auf: Jung, studierend, niedrigerer Bildungsstand, in Teilzeitarbeit, erhöhter Suchtmittelkonsum.

Fazit Es kann davon ausgegangen werden, dass bereits vor der Abruptio existierende depressive Symptome und Traumata zu einem nachfolgend erhöhten Risiko für psychische Störungen führen können und dass deren Einfluss beachtet werden sollte. Vor allem Frauen, welche einen sozioökonomisch und gesellschaftlich vulnerableren Status aufwiesen, gehörten am ehesten zu dieser vorbelasteten Gruppe. Die Studienlage ist vor allem für die USA und Asien relativ gut, für Deutschland hingegen (nur eine verwertbare Studie) unzureichend.



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Article published online:
07 October 2020

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