Rofo 2020; 192(S 01): S21-S22
DOI: 10.1055/s-0040-1703169
Vortrag (Wissenschaft)
Herzdiagnostik/Gefäßdiagnostik
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Charakterisierung der zirrhotischen Kardiomyopathie und deren Assoziation mit dem Schweregrad der Lebererkrankung: Eine prospektive multiparametrische kardiale und hepatische MRT-Studie

A Isaak
1  Universitätsklinikum Bonn, Radiologische Klinik, Bonn
,
M Praktinjo
2  Universitätsklinikum Bonn, Klinik für Innere Medizin, Bonn
,
C Jansen
3  Klinik für Innere Medizin, Universitätsklinikum Bonn, Bonn
,
D Dabir
1  Universitätsklinikum Bonn, Radiologische Klinik, Bonn
,
A Faron
1  Universitätsklinikum Bonn, Radiologische Klinik, Bonn
,
C Endler
1  Universitätsklinikum Bonn, Radiologische Klinik, Bonn
,
D Kütting
1  Universitätsklinikum Bonn, Radiologische Klinik, Bonn
,
D Thomas
1  Universitätsklinikum Bonn, Radiologische Klinik, Bonn
,
U Attenberger
1  Universitätsklinikum Bonn, Radiologische Klinik, Bonn
,
J Luetkens
1  Universitätsklinikum Bonn, Radiologische Klinik, Bonn
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Publication History

Publication Date:
21 April 2020 (online)

 

Zielsetzung Die zirrhotische Kardiomyopathie stellt eine vergleichsweise unbekannte und von der Ätiologie der Leberzirrhose unabhängige Komplikation dar. Im Verlauf führt sie zur kardialen Dysfunktion und ist mit einer schlechteren Prognose assoziiert. Ziel dieser prospektiven Studie war die Ermittlung des Ausmaßes kardialer Veränderungen bei Patienten mit Leberzirrhose in der multiparametrischen Magnetresonanztomografie (mpMRT).

Material und Methoden In dieser prospektiven Studie wurden Patienten mit Leberzirrhose (n=36) ohne bekannte kardiale Erkrankungen sowie gesunde Kontrollen (n=15) mittels mpMRT bei 1,5 Tesla untersucht. Das multiparametrische Protokoll erlaubte die Bestimmung der kardialen und hepatischen T1- und T2-Relaxationszeiten (T1-R, T2-R), der kardialen und hepatischen extrazellulären Volumenfraktion (ECV), der kardialen Funktion, des Late Gadolinium Enhancements (LGE) sowie der hepatischen Steifigkeit mittels MR-Elastografie (MRE).

Ergebnisse Patienten mit Leberzirrhose zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant erhöhte myokardiale (native T1-R: 1013±38 ms vs. 956±19 ms, P<0,001; T2-R: 59±5 ms vs. 53±2 ms, P<0,001 ; ECV: 34±6 % vs. 27±6 %, P=0,001; LGE-Quantifizierung: 6,3±5,6 % vs. 1,4±1,1 %, P<0,001) und hepatische (native T1-R: 718±87 ms vs. 529±57 ms, P<0,001; ECV: 41±8 % vs. 27±6 %, P<0,001; Steifigkeit in der MRE: 9,8±4 kPa vs. 2±0,5 kPa, P<0,001) Marker der Gewebszusammensetzung. Alle quantitativen MRT-Parameter waren signifikant mit dem Child-Pugh-Stadium assoziiert (P<0,001 für alle Parameter).

Schlußfolgerungen Bei Patienten mit Leberzirrhose ohne bisher bekannte kardiale Vorerkrankungen konnte die mpMRT ausgeprägte fibrotische Myokardveränderungen als Hinweis für eine zirrhotische Kardiomyopathie detektieren. Die Ausprägung der Herzveränderungen war mit dem Schweregrad der Lebererkrankung assoziiert. Die mpMRT könnte dabei helfen pathologische Herzveränderungen bei Leberzirrhose frühzeitig zu identifizieren, um die Patienten einer engmaschigeren kardiologischen Kontrolle zuzuführen.