Rofo 2020; 192(S 01): S18
DOI: 10.1055/s-0040-1703159
Vortrag (Wissenschaft)
Herzdiagnostik/Gefäßdiagnostik
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Isolierte Unterschenkelvenenthrombose: Prävalenz, klinische Charakteristik und Implikationen für eine Duplex Ultraschall Untersuchung

M Becher
1  Universitätsmedizin Rostock, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie, Rostock
,
T Heller
1  Universitätsmedizin Rostock, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie, Rostock
,
E Beller
1  Universitätsmedizin Rostock, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie, Rostock
,
A Busse
1  Universitätsmedizin Rostock, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie, Rostock
,
F Streckenbach
1  Universitätsmedizin Rostock, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie, Rostock
,
C Teichert
1  Universitätsmedizin Rostock, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie, Rostock
,
J Kröger
1  Universitätsmedizin Rostock, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie, Rostock
,
M Weber
1  Universitätsmedizin Rostock, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie, Rostock
,
F Meinel
1  Universitätsmedizin Rostock, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie, Rostock
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
21. April 2020 (online)

 

Zielsetzung Es gilt als umstritten, ob bei dem Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT) die Unterschenkelvenen in die initiale Ultraschall Untersuchung mit eingeschlossen werden sollen. Diese Tatsache war Anlass für uns, die Prävalenz und klinische Charakteristik von isolierten Unterschenkelvenenthrombosen zu untersuchen.

Material und Methoden Wir haben eine Kohorte von 789 Patienten (Median Alter 70 Jahre, 50,6% Frauen) im Zeitraum eines Jahres retrospektiv analysiert, die bei Verdacht auf eine TVT eine Duplex Ultraschall Untersuchung des kompletten Beinvenensystems erhalten haben. Dafür wurden radiologische Befunde zur Präsenz und Lokalisation von TVT ausgewertet. Um klinische Informationen zu sammeln, wurde elektronische Aktenrecherche durchgeführt.

Ergebnisse Eine TVT wurde bei 258 Patienten (32,7%) diagnostiziert, von denen 125 Patienten (48,4%) eine isolierte Unterschenkelvenenthrombose hatten. Diese waren am häufigsten lokalisiert in den Vv. fibulares (87 Patienten, 69,6%), den Vv. tibiales posteriores (55 Patienten, 44,0%) und den Muskelvenen (33 Patienten, 26,4%). Es gab keine Alters- oder Geschlechtsunterschiede zwischen Patienten mit isolierten Unterschenkelvenenthrombosen und Patienten mit proximaleren TVT. Isolierte Unterschenkelvenenthrombosen waren häufiger mit Beinschmerzen (38,4% vs. 24,8%, p=0,0225) assoziiert, weniger häufig mit subjektiv empfundenen Beinschwellungen (28,8% vs. 44,4%, p=0,0102) oder objektiv gemessenen Beinumfangsdifferenzen (16% vs. 29,3%, p=0,0119). Patienten mit einer isolierten Unterschenkelvenenthrombose hatten signifikant niedrigere D-Dimer-Werte als Patienten mit proximalerer TVT (Median 3,1 vs. 7,0 mg/dL, p<0,0001).

Schlußfolgerungen Isolierte Unterschenkelvenenthrombosen sind nahezu gleich häufig wie proximalere TVT. Unsere Daten unterstützen daher bei Verdacht auf eine vorliegende TVT das Durchführen einer kompletten Duplex Ultraschall Untersuchung der Beinvenen, inklusive der Unterschenkelvenen.