Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(02): 219-226
DOI: 10.1055/s-0039-3402954
Wissenschaftliche Sitzung am 18. 09. 2019
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schmerzen statt Lust: Vulvodynie – eine diagnostische und therapeutische Herausforderung

W Mendling
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Publication Date:
21 February 2020 (online)

 

Vulvodynie bzw. Vestibulodynie treten bei 5 – 10% der Frauen irgendwann im Leben auf und sind somit häufig! Sie werden leider oft erst nach Jahren richtig erkannt. Die betroffenen Frauen sind schwer beeinträchtigt.

Kriterien sind

  • Schmerzen und Brennen bei Berührung oder dem Versuch der Penetration (z. B. sitzen, Rad fahren, reiten, joggen, Tampons, Geschlechtsverkehr)

  • Keine oder wechselnd vorhandene Rötung (Inflammation)

  • Kein Vorliegen von Infektionen (Vulvovaginalkandidose, Herpes genitalis), neurologischen (z. B. Herpesneuralgie, Spinalnervkompression), dermatologischen (z. B. Lichen planus, Lichen sclerosus) oder neoplastischen Erkrankungen (z. B. vulväre intraepitheliale Neoplasie)

  • Dauer der Beschwerden mindestens 3 Monate.

Für die ausgiebige Anamnese und Diagnostik werden Kenntnisse, Erfahrung, Ruhe, Zeit, Empathie und Verständnis benötigt. Bakteriologische Abstriche und Probeexzisionen sind nicht sinnvoll, aber pH–Messung, Nativpräparat, ggf. Pilzkultur und der Q-Tipp-Test zur Exploration der Schmerzzone.

Therapeutisch kommen in Frage

  • gelegentlich lokal Estriol,

  • bei Versagen immer multimodale, interdisziplinäre Therapie (Frauenarzt, Schmerztherapeut, Psychiater, Psychologe, Physiotherapeutin) mit Reduktion der Mastzellfunktion, der Schmerzintensität und des erhöhten Tonus in der Beckenbodenmuskulatur sowie „Ins-Lot-Kommen“ der psychisch-emotionalen Situation,

  • bei Versagen in gut definierter, eher seltener Indikationsstellung die Vestibulektomie. Sie ist kein „Anfängereingriff“! Sog. Softlaser sind nicht indiziert.

Schlussfolgerung: Die konservative und bei ihrem Versagen die operative Therapie ergeben aufgrund von gut dokumentierten Studien signifikant gute Ergebnisse mit meist, aber leider nicht immer zufriedenen Patientinnen.