Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(02): 219-226
DOI: 10.1055/s-0039-3402952
Wissenschaftliche Sitzung am 18. 09. 2019
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Medikamentöses und operatives Management einer Isthmozelenschwangerschaft – Eine Kasuistik

K Kreienbring
Frauenklinik, Sana Klinikum Lichtenberg, Berlin, Deutschland
,
M Stern
Frauenklinik, Sana Klinikum Lichtenberg, Berlin, Deutschland
,
PPYT Pauwels
Frauenklinik, Sana Klinikum Lichtenberg, Berlin, Deutschland
,
I Dressler-Steinbach
Frauenklinik, Sana Klinikum Lichtenberg, Berlin, Deutschland
,
JP Scharf
Frauenklinik, Sana Klinikum Lichtenberg, Berlin, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
21 February 2020 (online)

 

Hintergrund: Aufgrund zunehmender Kaiserschnittraten wurde ein Anstieg der Cesarean Scar Pregnancy (CSP) in den letzten Jahren beobachtet []. Die Diagnose einer CSP erfordert die Extraktion konsensueller und risikoadaptierter Therapieentscheidungen bei hoher Invasionstendenz []. Therapeutisch ist das medikamentöse, operative sowie exspektative Vorgehen beschrieben [], []. Diese Kasuistik stellt die medikamentöse Therapie kombiniert mit der operativen Entfernung und Sanierung der Isthmozele vor.

Fallbericht: Die 34-jährige VI. Gravida/IV. Para präsentierte sich initial mit Unterbauchschmerzen in der 7. Schwangerschaftswoche bei anamnestisch vier Entbindungen per Kaiserschnitt sowie einer Abortcurettage. Sonomorphologisch wurde die CSP bei intakter Frühschwangerschaft diagnostiziert ([Abb. 1] und [Abb. 2]). Die Patientin wünschte bei bestehendem Kinderwunsch, aber hohem Hysterektomie- und Blutungsrisiko, die primäre Therapie mit Methotrexat und anschließende Sanierung der Isthmozele.

Therapie: Nach der systemischen Gabe von 55 mg Methotrexat kam es zu einem signifikanten Abfall des β-HCG i. S. um 70% innerhalb von 2 Wochen. Die fetale Herzaktion zeigte sich trotzdem weiterhin positiv bei adäquater Zunahme der Scheitel-Steiß-Länge. Unter passagerem Clipping der Aa. uterinae bds. erfolgte nach kombinierter vaginal-laparoskopischer Präparation die vaginale Saugcurettage der ektopen Gravidität unter laparoskopischer Sicht mit erwarteter Ruptur der verbliebenen Uterusserosa und Exzision der Isthmozele mit anschließendem zweischichtigen Verschluss des Uterus.

Verlauf: Im Rahmen der sonografischen Verlaufskontrollen unmittelbar bzw. neun Wochen postoperativ zeigte sich die Uterusvorderwand mit 4 mm rekonstruiert ([Abb. 3] und [Abb. 4]). Das β-HCG i. S. fiel drei Wochen postoperativ unter die Nachweisgrenze.

Fazit: Die beschriebene operative Methode ermöglichte einen geringen Blutverlust und die simultane Resektion der Isthmozele. Zu diskutieren wäre die lokale Methotrexatgabe bei dokumentierten Erfolgsraten bis zu 60% gegenüber 50% der systemischen Therapie [].

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Verdacht auf fehlende myometrane Deckung über 21 mm.
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Implantation einer Cesarean Scar Pregnancy (CSP).
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Uterusvorderwand 1. Tag postoperativ.
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Uterusvorderwand 9 Wochen postoperativ.