Osteologie 2020; 29(01): 62
DOI: 10.1055/s-0039-3402871
1. Posterbegehung 1
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Warum nicht mehr Vertrauen und Mut zu den Knochenmarkern in den DVO-Leitlinien 2017?

C Günther
1  Orthopädische Fachklinik, Abteilung Osteologie, Schwarzach, Austria
,
Thomas R. Blattert
2  Orthopädische Fachklinik, Abteilung Wirbelsäulenchirurgie, Schwarzach, Austria
,
K Ortlepp
2  Orthopädische Fachklinik, Abteilung Wirbelsäulenchirurgie, Schwarzach, Austria
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Publication Date:
25 February 2020 (online)

 

Einleitung Wir konnten in einer früheren Arbeit (Osteoporose & Rheuma aktuell 1/03, 12–13) zeigen, dass in der Bisphosponattherapie der Osteoporose (im Gegensatz zur internationalen Literatur mit 3–6 Monaten Untersuchungsintervall nach Therapiebeginn) ein Kurzzeit-Monitoring der Knochenumbaumarker bereits nach zwei Wochen möglich ist. In den aktuellen DVO-Leitlinien – gültig seit 28. Januar 2018 – wird den Knochenumbaumarkern aber immer noch lediglich der Status als „Einzelfallentscheidung“ zugebilligt. Nach unseren eigenen klinischen Erfahrungen werden die Knochenumbaumarker – trotz richtiger und/oder falscher Anwendung – unterschätzt und zu wenig genutzt, weshalb dieser Beitrag, ein „Pro“ zu induzieren, gewollt ist.

Methode 31 Patienten (26 Frauen, 5 Männer, Alter 67 Jahre) mit einem LWS-T-Score < –2.5 und entsprechenden Risikofaktoren nach den DVO-Leitlinien wurden eingeschlossen. Die Patienten wurden als Basistherapie mit 800 mg Calcium/d und 1000-1200 mg Vitamin D/d und einer wöchentlichen Gabe von 35 mg Risedronat behandelt. Als Knochenumbaumarker wurden die Beta-Crosslaps mit dem Elecsys Beta-Crosslaps Test (Roche Diagnostics GmbH) morgens zwischen 8 Uhr und 9 Uhr vor Therapiebeginn und 14 Tage nach Therapiestart bestimmt, wobei die Uhrzeit dieser Blutentnahme sich maximal +/– 15 Minuten von der Erstentnahme unterscheiden durfte! Die Ergebnisse wurden intensiv mit den Patienten diskutiert, der Abfall der Crosslaps wurde grafisch dargestellt und damit die Wirksamkeit der Therapie augenscheinlich und nachhaltig demonstriert. Ein Jahr nach Therapiebeginn wurden die Patienten telefonisch nach ihrer Therapietreue befragt.

Ergebnisse Compliance-Daten konnten von 83,9 % (26) der 31 Patienten erhoben werden. Bei 5 dieser 26 Patienten stoppte der Hausarzt nach Erstverordnung die spezifische Therapie. Aber nach 12 Monaten verblieben 21 der 26 Patienten (80,8 %) in der empfohlenen Bisphosphonat-Therapie.

Diskussion Entgegen der extrem niedrigen Persistenzraten in der Grand I-Studie (Hadji et al. Osteopors Int. 2012 Jan; 23 (1): 223–31) – 9,6 % bei täglicher, 28,4 % bei wöchentlicher und 29,4 % bei monatlicher oraler Bisphosphonat-Einnahme – ist unsere Persistenzrate mit 80,8 % deutlich höher und zeigt, dass die Anwendung der Knochenumbaumarker im Kurzzeitmonitoring nach zwei Wochen – bei richtiger Anwendung und plausibler Erklärung der optimistisch stimmenden Ergebnisse den Patienten gegenüber – ein sehr einfaches, aber wirksames Instrument zur Patientensteuerung und damit zur Compliance-Verbesserung sein kann! Deshalb raten wir allen osteologisch tätigen Kollegen, die Knochenummarker großzügiger als von den Leitlinien empfohlen einzusetzen – vielleicht auch unter finanzieller Beteiligung der Patienten, die es Ihnen im positiven Therapieverlauf danken werden, denn nur das tatsächlich eingenommene wirksame Osteoporosemedikament – und wir haben großartige Medikamente! – kann auch Wirkung erzielen!

Korrespondenzadresse Christian Günther, Orthopädische Fachklinik, Abteilung Osteologie, Dekan-Graf-Str. 2–6, 94374 Schwarzach, Deutschland, Germany

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