Osteologie 2020; 29(01): 61
DOI: 10.1055/s-0039-3402868
1. Posterbegehung 1
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Es muss nicht immer Osteoporose sein: Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei einer jüngeren Patientin mit atraumatischer Wirbelkörperfraktur

S Radmer
1  Zentrum für Bewegungsheilkunde, Facharztpraxis für Orthopädie, Berlin, Germany
,
JR Andresen
2  Sigmund-Freud-Privatuniversität, Medizinische Fakultät, Wien, Austria
,
G Schröder
3  Klinikum Südstadt Rostock, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Rostock, Klinik für Innere Medizin I, Rostock, Germany
,
R Andresen
4  Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie/Neuroradiologie, Westküstenklinikum Heide, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Kiel, Lübeck und Hamburg, H, Heide, Germany
,
Hans-Christof Schober
3  Klinikum Südstadt Rostock, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Rostock, Klinik für Innere Medizin I, Rostock, Germany
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Publication History

Publication Date:
25 February 2020 (online)

 

Einleitung Akut auftretende Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule bei jüngeren Patienten beinhalten differenzialdiagnostisch ein breites Spektrum. Hier sind vertebragene Ursachen wie Wurzelkompression bedingt durch Bandscheibenherniation, entzündliche Veränderungen im Wirbelkörper/Bandscheibenfach, Frakturen, Metastasen und Tumoren von extravertebragenen Pathologien zu unterscheiden. Bei Verdacht auf ein Frakturgeschehen sollte zeitnah eine gezielte bildgebende Diagnostik mit Schnittbildverfahren zum Einsatz kommen.

Methode Wir berichten über eine 53-jährige Patientin, welche sich mit akut aufgetretenen starken Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule in unserer Sprechstunde vorstellte. Anamnestich ergab sich kein Anhalt für eine traumatische Genese, wesentliche Grunderkrankungen fanden sich nicht. Risikofaktoren für das Vorliegen einer Osteoporose lagen nicht vor.

Ergebnisse Klinisch fand sich ein deutlicher Klopf- und Druckschmerz über der unteren BWS ohne neurologisches Defizit. Im anschließend durchgeführten konventionellen Röntgen der BWS in zwei Ebenen fand sich eine Deformität des 9. BWK, passend zu einem frischen Frakturgeschehen. In dem daraufhin durchgeführten MRT der BWS und LWS fand sich eine frische Fraktur des 9. Brustwirbelkörpers, zusätzlich zeigte sich eine diffuse Knochenmarksinfiltration (herdförmige Signalanhebungen in den stark fettgesättigten T2-Schnittbildern) in multiplen Wirbelkörpern. Im zusätzlich durchgeführten Ganzkörper-CT zeigten sich multiple Osteolysen am Achsenskelett ohne Anhalt für weitere ossäre Destruktionen. In der Labordiagnostik fanden sich ein erniedrigter Hb (11,0 g/dl), ein erhöhtes Serumcalcium (2,55 mmol/l), deutich erhöhte freie Lambda Leichtketten im Serum und Urin (5399,0/3830,0 mg/l), eine erhöhte Proteinausscheidung im Urin (4278,8 mg/l) sowie eine erniedrigte GFR (55 ml/min). Eine Beckenkammbiopsie erbrachte massenhaft atypische Plasmazellen. Zur Schmerzreduktion und Frakturstabilisierung wurde eine Kyphoplastie des 9. BWK durchgeführt. Anhand der Befunde ergab sich das Vorliegen eines Multiplen Myeloms Typ Lambda (Stadium nach Durie-Salmon IIIA). Therapeutisch erfolgte eine Hochdosistherapie mit Bortezomib/Dexamethason, gefolgt von einer erneuten Hochdosistherapie mit Stammzellentransplantation.

Diskussion Bei Patienten mit akut aufgetretenen Rückenschmerzen in Verbindung mit einer Wirbelkörperdeformität sollte neben einer osteoporotischen Genese unbedingt an das Vorliegen eines Malignoms gedacht werden. In der Akutversorgung ist die Detektion von frischen Wirbelkörperfrakturen mittels MRT therapieentscheidend. Bei Laborverdacht auf ein multiples Myelom ist nach Leitlinien ein Ganzkörper-CT zur Detektion von Osteolysen notwendig.

Keywords Akuter Rückenschmerz, Ganzkörper CT, Mulitples Myelom, Wirbelkörperfraktur

Korrespondenzadresse Sebastian Radmer, Zentrum für Bewegungsheilkunde, Facharztpraxis für Orthopädie, Bozener Str. 17, 10825 Berlin, Deutschland, Germany

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