Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2020; 48(01): 60
DOI: 10.1055/s-0039-3402378
Abstracts
DVG
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Methodische Untersuchungen zur semiquantitativen Überprüfung der Immunglobulinversorgung des neonatalen Kalbes

M. Hampe
1  Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz, Justus-Liebig-Universität Gießen,, Gießen
,
S. Söllner-Donat
2  Thüringer Tierseuchenkasse,, Jena
,
K. Failing
3  Arbeitsgruppe Biomathematik und Datenverarbeitung, Justus-Liebig-Universität Gießen,, Gießen
,
A. Wehrend
1  Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz, Justus-Liebig-Universität Gießen,, Gießen
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Publication History

Publication Date:
17 February 2020 (online)

 

Einleitung Aufgrund der bovinen Plazenta werden Kälber nahezu agammaglobulinämisch geboren. Für die Krankheitsprävention und die spätere Leistungsfähigkeit ist die Aufnahme kolostraler Antikörper entscheidend. Neben der direkten Messung der Immunglobuline haben sich indirekte Methoden etabliert, die in der Regel günstig sowie vor Ort durchführbar sind und schneller ein Ergebnis liefern. Allerdings weisen diese Methoden teils erhebliche Differenzen in Bezug auf ihre Präzision, Spezifität und Sensitivität im Vergleich zur direkten Messung auf.

Ziel In Deutschland ist seit mehreren Jahren ein Schnelltest auf Grundlage eines ELISAs verfügbar, der eine direkte, semiquantitative Messung der Immunglobuline ermöglichen soll (Fassisi® Bovine IgG Test). In dieser Studie wurden die Sensitivität und Spezifität in der Erkennung eines FPT („failure of passive transfer“) im Vergleich zu einer Referenzmethode (ELISA) untersucht. Der Einfluss des Gesundheitszustandes und des Alters auf das Ergebnis des Tests wurden überprüft.

Material und Methoden Insgesamt wurden 277 Serumproben von Kälbern unmittelbar post natum bis zu einem Alter von 10 Tagen untersucht und die Kälber in gesund und krank unterschieden. Die Messung der Immunglobulinkonzentration im Serum erfolgte mit einem laborgebundenen ELISA und mit dem Schnelltest.

Ergebnis Es bestand eine hochsignifikante Korrelation (p < 0,0001) zwischen den Ergebnissen des Schnelltests und dem lgG-Gehalt im Serum. Der Rangkorrelationskoeffizient war mit rs = –0,36 niedrig. Die Sensitivität für das richtige Erkennen unterversorgter Kälber betrug 61,1% (n = 113); die Spezifität wurde mit 58,7% ermittelt (n = 54). Für das Alter stellte sich ein statistisch signifikanter Einfluss (p < 0,0001) dar. Der Einfluss des Gesundheitszustandes war statistisch nicht signifikant (p = 0,98).

Schlussfolgerung Der Schnelltest ist somit nicht die erwünschte Lösung zur Kontrolle der passiven Immunisierung beim neugeborenen Kalb.