Suchttherapie 2019; 20(S 01)
DOI: 10.1055/s-0039-1696242
Symposien
S41 Spezielle Patientengruppen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kultursensitives Behandlungskonzept für Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete

O Tüscher
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Unimedizin Mainz; Deutsches Resilienz Zentrum Mainz
,
D Gilan
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Unimedizin Mainz; Deutsches Resilienz Zentrum Mainz
,
N Elnahrawy
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Unimedizin Mainz; Deutsches Resilienz Zentrum Mainz
,
K Lieb
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Unimedizin Mainz; Deutsches Resilienz Zentrum Mainz
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
03. September 2019 (online)

 

Aufgrund des hohen Migrantenanteils an der Gesamtbevölkerung ist mit einer wachsenden Versorgungsbedürftigkeit genannter Bevölkerungsgruppen zu rechnen. Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland weisen eine signifikant höhere Prävalenzrate psychischer Störungen im Vergleich zur autochthonen Bevölkerung auf. Gleichzeitig geht der Migrationsstatus mit einer geringeren Inanspruchnahme in der ambulanten und stationären psychosozialen Versorgung im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung einher. Aufgrund ihrer schwierigen Lebenskonstellation stellen insbesondere Geflüchtete eine Risikogruppe für stressinduzierte Erkrankungen (z. B. Sucht) dar und sind gleichzeitig durch Präventionsmaßnahmen und bestehende Hilfeangebote nur unzulänglich erreichbar. Die Ursachen hierfür sind komplex und bedürfen einer Analyse, welche die sprachlichen und soziokulturellen Besonderheiten der einzelnen Migrantengruppen entsprechend ihrer Herkunftsländer explizit berücksichtigt. Rechtzeitig verbindliche Aktivitäten zur interkulturellen Öffnung und Umsetzung des Versorgungssystems zu ergreifen, sind für eine gelingende gesellschaftliche Integration von Migranten von hoher Relevanz. Ein kultursensitivesBehandlungskonzept, welches Aspekte, wie die ethnische und religiöse Lebenswelten, die Familienstruktur, die Generationskonflikte, das soziale Umfeld, mögliche Kulturkonflikte zwischen der Herkunfts- und Residenzkultur sowie Vorstellungen von psychischen und körperlichen Beschwerden besondere Aufmerksamkeit beimessen, werdeneinen entscheidenden Beitrag zur medizinischen Versorgung dieser Bevölkerungsgruppen leisten. In diesem Kontext wird das transkulturelle Behandlungsangebot der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz sowie ein innovatives Versorgungsmodell zur Förderung der mentalen Gesundheit von Geflüchtete vorgestellt.