Gesundheitswesen 2019; 81(08/09): 702-703
DOI: 10.1055/s-0039-1694476
Kongresstag 2: 17.09.2019
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ausgewählte Gesundheitsaspekte von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Ergebnisse aus KiGGS Welle 2 (2014 – 2017)

C Santos-Hövener
1  Robert Koch Institut,Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin
,
B Kuntz
2  Robert Koch-Institut, Berlin
,
L Frank
1  Robert Koch Institut,Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin
,
C Koschollek
3  Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin
,
U Ellert
2  Robert Koch-Institut, Berlin
,
R Thamm
3  Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin
,
A Schienkiewitz
2  Robert Koch-Institut, Berlin
,
H Hölling
2  Robert Koch-Institut, Berlin
,
T Lampert
3  Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin
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Publication History

Publication Date:
23 August 2019 (online)

 

Einleitung:

Obwohl inzwischen mehr als ein Drittel der in Deutschland lebenden Minderjährigen einen Migrationshintergrund (MH) hat, mangelt es an belastbaren Erhebungen zur Gesundheit dieser Bevölkerungsgruppe. Mit der von 2014 – 2017 durchgeführten Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2) stehen bevölkerungsbezogene Daten zur Verfügung, um zuverlässige Aussagen zur Gesundheit von Heranwachsenden mit und ohne MH treffen zu können.

Methode:

Befragungsdaten aus KiGGS Welle 2 werden herangezogen, um Rückschlüsse auf den allgemeinen Gesundheitszustand, die psychische Gesundheit und die Verbreitung allergischer Erkrankungen bei 3- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen zu ziehen (n = 13.568). Zur Bestimmung von Übergewicht werden Messdaten zu Körpergröße und -gewicht verwendet (n = 3.463). Neben dem MH (ohne/einseitig/beidseitig) werden der sozioökonomische Status (SES) und die Aufenthaltsdauer der Eltern in Deutschland berücksichtigt.

Ergebnisse:

Kinder und Jugendliche mit beidseitigem MH weisen seltener als Gleichaltrige ohne MH eine ärztlich diagnostizierte Neurodermitis (3,5% vs. 6,9%) und ADHS (1,5% vs. 5,1%), jedoch häufiger einen mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand (6,1% vs. 3,9%) auf. Heranwachsende mit beidseitigem MH, sind zudem häufiger von Übergewicht betroffen als jene ohne MH (22,1% vs. 12,2%). Werden ausschließlich Kinder und Jugendliche mit MH betrachtet, zeigt sich, dass deren gesundheitliche Lage häufig eng mit dem SES und teilweise auch mit der Aufenthaltsdauer der Eltern zusammenhängt.

Diskussion:

Gesundheitliche Unterschiede zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne MH variieren nach betrachtetem Indikator. Die Heterogenität von Kindern und Jugendlichen mit MH, die sich u.a. am SES oder der Aufenthaltsdauer der Eltern festmachen lässt, sollte bei der zielgruppenspezifischen Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung berücksichtigt werden.