Diabetologie und Stoffwechsel 2019; 14(S 01): S27-S28
DOI: 10.1055/s-0039-1688185
Freie Vorträge
Typ-1-Diabetes und Gestationsdiabetes
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Deutliche Reduktion der diabetischen Ketoazidose bei Manifestation – Ergebnisse der Stuttgarter Ketoazidose Präventionskampagne

M Holder
1  Klinikum Stuttgart, Olgahospital, Pädiatrische Diabetologie, Stuttgart, Germany
,
S Ehehalt
2  Landeshauptstadt Stuttgart, Gesundheitsamt, Stuttgart, Germany
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
07 May 2019 (online)

 

In Deutschland ist die Häufigkeit der diabetischen Ketoazidose (DKA) bei Manifestation in den letzten 15 Jahren konstant geblieben. Die Häufigkeit der DKA steigt bei verzögerter Diagnosestellung an. Da zunehmend jüngere Kinder an Typ-1 Diabetes erkranken und bei ihnen ein erhöhtes DKA-Risiko besteht, starteten wir 2015 in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Gesundheitsamt das Stuttgarter Präventionsprojekt.

Methode:

Die Aufklärungskampagne erfolgte schrittweise im Zeitraum 2015 bis 2017 mittels Flyer und Plakaten über die Diabetes-typischen Symptome und zwar (i) im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung (ESU), (ii) in Stuttgarter Kindertageseinrichtungen (n> 500), (iii) bei Stuttgarter Kinder- und Jugendarztpraxen, sowie (iv) mittels regelmäßiger Öffentlichkeitsarbeit. Die Datenerfassung der Patienten mit Manifestation eines Typ-1-Diabetes erfolgte im Olgahospital, der einzigen Kinderklinik in Stuttgart. Als Vergleichszeitraum wurden die Jahre 2011 bis 2013 gewählt, 2014 diente der Vorbereitung.

Ergebnisse:

(1) Im Rahmen der ESU wurden 17.174 Kinder (mittleres Alter 4,5 Jahre) und ihre Familien erreicht. Ein Kind zeigte die Diabetes-typischen Symptome, weshalb die unmittelbare Vorstellung beim Arzt und die Diagnosestellung eines Typ-1-Diabetes erfolgte. (2) Im Olgahospital Stuttgart wurden vor Beginn der Aufklärungskampagne 127 und während der Aufklärungskampagne 118 Kinder und Jugendliche mit Manifestation eines Typ-1 Diabetes behandelt. (3) Der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit DKA war im Zeitraum der Kampagne niedriger als zuvor (n = 19 (16,1%) vs. n = 36 (28%), p = 0,02). (4) Die Kampagne wurde von den teilnehmenden Institutionen und Personen gut angenommen und führte zu keinem erhöhten Informations- und Abklärungsbedarf.

Schlussfolgerung:

Präventionskampagnen wie das Stuttgarter Ketoazidose Präventionsprojekt können das Risiko einer Diabetischen Ketoazidose bei Manifestation deutlich reduzieren. Damit könnte diese Informationskampagne ein Modell für andere vergleichbare Städte und Landkreise sein.