CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2019; 98(S 02): S303-S304
DOI: 10.1055/s-0039-1686323
Poster
Otologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Therapierefraktäre Otitis media – eine seltene Differentialdiagnose

SI Zabaneh
1  HNO-Klinik Charité CVK/CCM, Berlin
,
J Kim
1  HNO-Klinik Charité CVK/CCM, Berlin
,
G Pierchalla
1  HNO-Klinik Charité CVK/CCM, Berlin
,
U Schneider
2  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie – Charité, Berlin
,
K Stölzel
1  HNO-Klinik Charité CVK/CCM, Berlin
,
S Dommerich
1  HNO-Klinik Charité CVK/CCM, Berlin
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
23 April 2019 (online)

Eine 26-jährige Patientin stellte sich mit beidseitiger therapierefraktärer Otitis media acutissima und Rhinosinusitis vor. Während eines vorangehenden stationären Aufenthaltes alio loco kam es nach Einlage von Paukenröhrchen, intravenöser Antibiose und Prednisolon-Therapie zwar zu einer kurzzeitigen Besserung, doch kurz nach Entlassung verschlechterte sich wieder das Gehör.

In der klinischen HNO-Untersuchung stellten sich beidseits mazerierte Trommelfelle mit Paukenröhrchen sowie eine Rhinosinusitis dar. Die Tonaudiometrie zeigte eine kombinierte Schwerhörigkeit mit Innenohrabfall von 40 – 70 dB bds. Die erneute Prednisolon-Therapie und die wiederholte Umstellung des Antibiotikums wurden sofort durchgeführt. Trotzdem konnte keine Remission erreicht werden.

Es wurde neben der Infektionsserologie eine Autoimmundiagnostik eingeleitet. Hier zeigte sich ein hochpositiver Befund für cANCA und zusätzlich fand sich in einer Biopsie der Nasenschleimhaut eine nekrotisierende, chronische und floride Entzündung, sodass die Diagnose Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) gestellt wurde.

Unter intensivierter Cortison-Therapie kam es zur deutlichen Besserung der Symptomatik. Die weitere Abklärung und Therapie erfolgte durch die Rheumatologen, die zu diesem Zeitpunkt keinen Anhalt für weitere Manifestationen fanden.

Bei verbleibender funktioneller Surditas rechts erfolgte drei Monate später die Implantation eines Cochlea-Implantats. Gleichzeitig zeigten sich bipulmonale Verdichtungen im CT-Thorax. Unter immunsuppressiver Therapie mit Rituximab waren die Befunde rückläufig.

Fazit:

Alter, Lokalisation und Schwere des Verlaufes sind für die GPA untypisch. Differentialdiagnostisch sollte sie aber immer in Erwägung gezogen werden.