CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2019; 98(S 02): S302
DOI: 10.1055/s-0039-1686314
Poster
Otologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Traumatische Trommelfellperforationen: Diagnose, Therapie und Prognose – eine retrospektive Analyse

J Werz
1  HNO Uniklinik Ulm, Ulm
,
E Goldberg-Bockhorn
1  HNO Uniklinik Ulm, Ulm
,
M Wigand
1  HNO Uniklinik Ulm, Ulm
,
J Hahn
1  HNO Uniklinik Ulm, Ulm
,
D Mytilineos
2  HNO Klinik Ulm, Ulm
,
R Riepl
2  HNO Klinik Ulm, Ulm
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
23 April 2019 (online)

Einleitung:

Traumatische Trommelfellperforationen (tTP) gehören zu den häufigen Notfällen in der HNO-Heilkunde. Sie können u.a. durch Gehörgangsreinigung oder Schlag aufs Ohr entstehen und reichen von kleinen Rissen bis zur Verletzung aller Quadranten. Das Therapieregime ist oft uneinheitlich und kann mittels Schienung und Gehörgangstamponade erfolgen.

Methoden:

Es erfolgte eine retrospektive Analyse von 2012 – 2017 in der Patientenakte der HNO-Uniklinik Ulm. Berücksichtigt wurden Patienten, bei denen mind. eine Nachkontrolle in domo erfolgte. Ausgewertet wurden Unfallmechanismus, Lokalisation der Perforation, Therapie, zeitlicher Verlauf und Outcome.

Ergebnisse:

174 Patienten mit tTP wurden eingeschlossen. Schläge aufs Ohr waren mit 44% die häufigste Ursache. 148 tTP wurden geschient, meist mit Silikonfolie. Im Mittel wurde nach 22 Tagen detamponiert. In 59 Fällen (40%) war das Trommelfell (TF) bereits bei Detamponade verschlossen. In 83 Fällen bestand eine Restperforation, wovon 35 im Verlauf spontan heilten. 12 (8%) zeigten eine persistierende Perforation. Die übrigen entzogen sich einer weiteren Kontrolle. Die Dauer der Schienung erhöhte die Wahrscheinlichkeit eines TF-Verschlusses. Wasser als Ursache der tTP zeigte eine signifikant schlechtere Heilung als Fremdkörper oder Schläge. Der 2. Quadrant war mit 46% am häufigsten beteiligt. Kleine tTP waren nach Detamponade signifikant häufiger verschlossen. Der Zeitpunkt der Schienung spielte für die Heilung keine Rolle. Die Heilungsrate der Patienten ohne Schienung lag bei 76%.

Schlussfolgerungen:

Eine Spontanheilung ist nach tTP auch ohne Therapie möglich. Ein Vergleich der beiden Gruppen ist aufgrund der unterschiedlichen Fallzahlen nur bedingt möglich und sollte in einer prospektiven Studie genauer untersucht werden.