CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2019; 98(S 02): S290
DOI: 10.1055/s-0039-1686233
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Otologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Cochleare Implantation bei akuter Neuronitis vestibulocochlearis

CE Müller
1  UKGM Marburg, Marburg
,
S Klein
2  UKGM Marburg, Marburg, Deutschland
,
B Stuck
2  UKGM Marburg, Marburg, Deutschland
,
R Birk
2  UKGM Marburg, Marburg, Deutschland
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
23 April 2019 (online)

Einleitung:

Bei einer Neuronitis vestibulocochlearis zeigt sich eine sensineurale Schwerhörigkeit mit Vertigo. Bei zusätzlicher Fazialisparese wird dies bei Nachweis einer akuten Herpes zoster (HZV) Infektion als Ramsay Hunt Syndrom beschrieben. Ein Virusnachweis gelingt häufig erst post mortem mittels Biopsie des Ganglion geniculi.

Fall:

Eine 52-jährige Frau stellte sich mit neu aufgetretener Otalgie, Hörminderung sowie Vertigo vor. Es wurde die Diagnose einer serösen Otitis media mit Innenohrbeteiligung gestellt und diese mit Paukendrainage, intravenöser Antibiotika- und Kortisongabe therapiert. Im Verlauf zeigte sich eine Progredienz der Schwerhörigkeit bis zur Surditas und radiologisch eine einschmelzende Mastoiditis mit Osteolysen, sodass eine Mastoidektomie durchgeführt wurde. Eine Woche postoperativ kam es zu einer Fazialisparese. Im MRT zeigte sich eine beginnende Sklerosierung der Cochlea sowie Kontrastmittelaufnahme der Nerven im Kleinhirnbrückenwinkel.

Ergebnis:

Eine Vaskulitis oder eine Infektion mit neurotropen Viren konnte serologisch (auch im Liquor) nicht nachgewiesen werden. Eine antivirale Therapie wurde probatorisch eingeleitet, unter welcher sich die Fazialisparese rasch regredient zeigte. Bei beginnender Sklerosierung der Cochlea und Surditas wurde die Patientin zeitnah mit einem Cochleaimplantat versorgt.

Schlussfolgerung:

Im Zusammenhang mit einer Neuronitis vestibulocochlearis wird eine Hörminderung sowie Vertigo beschrieben. Zusätzlich kann eine simultane Fazialisparese auftreten. Trotz ausbleibendem Nachweis einer Infektion mit einem neurotropen Virus kann die antivirale Therapie sinnvoll sein. Bei radiologisch fortschreitender Sklerosierung der Cochlea ist die zeitnahe Versorgung mit einem Cochleaimplantat empfohlen.