CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2019; 98(S 02): S284
DOI: 10.1055/s-0039-1686158
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Otologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zeitlicher Verlauf der Hörrehabilitation bei einzeitig vs. zweizeitig bilateral versorgten Cochlea-Implantat-Patienten

M Gröger
1  Universistätsklinikum Frankfurt, Frankfurt/M.
,
M Leinung
1  Universistätsklinikum Frankfurt, Frankfurt/M.
,
A Loth
1  Universistätsklinikum Frankfurt, Frankfurt/M.
,
S Helbig
2  Universitätsklinikum Frankfurt, Frankfurt/M.
,
T Stöver
2  Universitätsklinikum Frankfurt, Frankfurt/M.
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Publication History

Publication Date:
23 April 2019 (online)

Einleitung:

Bei der Cochlea-Implantation (CI) von Erwachsenen wird auch bei beidseitiger Indikation häufig auf Patientenwunsch zunächst das schlechter hörende Ohr versorgt. Nur ca. 1 von 10 Patienten entscheidet sich für eine einzeitig bilaterale Versorgung. In der vorliegenden Studie soll der zeitliche Verlauf der Hörrehabilitation beider Gruppen verglichen werden.

Material und Methoden:

Aus der audiologischen und klinischen Dokumentation wurden alle ein- oder zweizeitig bilateral CI-implantierten Erwachsenen ohne Reimplantation oder Revisionsoperation extrahiert. Es konnten 227 Patienten eingeschlossen werden, davon 22 Patientin mit einzeitiger (Gruppe 1) und 205 mit zweizeitiger Versorgung (Gruppe 2). Es wurde der zeitliche Verlauf des beidohrigen Einsilberstehens bei 65dB in Ruhe analysiert.

Ergebnisse:

Trotz unterschiedlicher Gruppengröße waren beide Gruppen demographisch vergleichbar. Beide Gruppen erreichten identische Bestwerte mit zweiseitiger CI-Versorgung (78,6 ± 19,2% vs. 77,8 ± 20,7%). Allerdings bestand bei 70,9% in Gruppe 2 bereits zum Zeitpunkt der ersten OP eine klare CI-Indikation der Gegenseite. Dadurch lag das mittlere Einsilberverstehen während der bimodalen Versorgungsphase lediglich bei 71,2 ± 28,9%. Ihr individuelles Maximum erreichten die Patienten 1,4 ± 0,9 (Gruppe 1) bzw. 4,1 ± 4,4 Jahre (Gruppe 2) nach der ersten OP.

Diskussion:

Die einzeitig bilateral versorgten CI-Patienten erreichen ihren individuellen Bestwert signifikant schneller als die sequentiell versorgten Patienten. Bei etwa 70% der sequentiell implantierten Patienten bestand bereits zum Zeitpunkt der Versorgung des ersten Ohres eine Indikation zur OP der Gegenseite. Bei der Patientenberatung sollte daher eine möglichst frühzeitige Versorgung der zweiten Seite empfohlen werden.