CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2019; 98(S 02): S276
DOI: 10.1055/s-0039-1686105
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Otologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Satzgedächtnis bei kongenitaler Taubheit und Cochlea-Implantat beidseits

D Adams
1  Medizinische Hochschule Hannover Hoerzentrum, Hannover
,
A Buechner
1  Medizinische Hochschule Hannover Hoerzentrum, Hannover
,
A Illg
1  Medizinische Hochschule Hannover Hoerzentrum, Hannover
,
T Lenarz
2  Medizinische Hochschule Hannover, Hannover
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Publication Date:
23 April 2019 (online)

Einleitung:

Das Nachsprechen normaler und anormaler Sätze gelingt Kindern dann, wenn sie ein angemessenes formales linguistisches Regelsystem ausgebaut haben, welches unabhängig vom Weltwissen funktioniert.

Um die grammatikalischen Fähigkeiten beidseits kongenital tauber und mit Cochlea-Implantaten (CI) versorgter Kinder einschätzen zu können, nutzen wir in der klinischen Routine den Untertest „Satzgedächtnis“ aus dem Sprachentwicklungstest für drei- bis fünfjährige Kinder (SETK 3 – 5).

Methode:

Die Daten von 98 Kindern im Testalter von 48 bis 71 Monaten wurden retrospektive ausgewertet. Die Analyse erfolgte in zwei Altersgruppen: Gr.1 N = 60 mit einem mittleren Implantationsalter von 9 Monaten (min-max: 5 – 12 Mo.) und Gr. 2 N = 38 mit einem mittleren Implantationsalter von 17 Mo. (min-max: 13 – 24 Mo). Alle Kinder waren beidseits kongenital taub und simultan bilateral innerhalb der ersten beiden Lebensjahre mit Cochlea- Implantaten versorgt. Die Auswertung erfolgt im Prozentrang, der den Vergleich zu altersgleichen Hörenden zulässt.

Ergebnisse:

Gr.1 erreicht im Mittel Prozentrang 41 und Gr. 2 einen mittleren Prozentrang vom 18. Die früher implantierten Kinder zeigen signifikant bessere Ergebnisse, nahezu vergleichbar zu den hörenden Altersgenossen.

Schlussfolgerung:

Beidseits kongenital taube Kinder mit einer simultan bilateralen Erstversorgung mit CI innerhalb des ersten Lebensjahres können altersentsprechende linguistische Fähigkeiten bis zur Einschulung aufbauen. Hingegen erreichen dies nur wenige beidseits taube Kinder, die im zweiten Lebensjahr simultan bilateral CI versorgt werden.