Z Gastroenterol 2018; 56(08): e331
DOI: 10.1055/s-0038-1669002
Kurzvorträge
Gastroenterologische Onkologie
Kolorektales Karzinom: Screening, Prävention, molekulare Grundlagen, Biomarker – Donnerstag, 13. September 2018, 13:40 – 14:44, 21a
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Koloskopie in der Versorgungsrealität: Wie häufig wird in welchem Versorgungssetting bei welchen Anwendungsindikationen endoskopiert?

D Horenkamp-Sonntag
1  WINEG, Hamburg, Deutschland
,
J Liebentraut
1  WINEG, Hamburg, Deutschland
,
S Engel
1  WINEG, Hamburg, Deutschland
,
H Koop
2  ehem. Helios Klinikum Berlin-Buch, Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie, Berlin, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
13 August 2018 (online)

 

Einleitung:

In Deutschland erkranken jährl. ca. 64.000 Menschen erstmalig an Darmkrebs, ca. 26.000 sterben pro Jahr daran. 210.000 Patienten leben mit einer bis zu fünf Jahre zurückliegenden Darmkrebsdiagnose. Mit dem 2013 in Kraft getretenen Krebsfrüherkennungs- und registergesetz wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass Versicherte künftig zur Früherkennung eingeladen werden.

Ziele:

Es soll der Einsatz der Koloskopie als diagnostische Maßnahme bzgl. Anwendungsindikation, Patientencharakteristika und Komplikationen in der Versorgungswirklichkeit evaluiert werden.

Methodik:

Auf Basis von GKV-Routinedaten (n > 10 Mio. Versicherte) wurde im Zeitraum 12.2012 bis 03.2018 untersucht, wie viele Patienten wann wie viele Koloskopien in welchem Behandlungssetting erhalten haben und inwiefern post-interventionell spezifische Koloskopie-Komplikationen aufgetreten sind.

Ergebnis:

Bei 1.431.020 Versicherten (VNs) wurde eine Koloskopie durchgeführt, v.a. in der Altersgruppe 50 – 59 Jahre (27,6%). Die meisten Koloskopien erfolgten bei niedergelassenen Gastroenterologen (n = 1.257.694) und während eines stationären Krankenhausaufenthalts (n = 277.074), der übrige Teil verteilt sich auf sektorale Übergangsformen. 23.899 VNs hatten Hinweise auf eine Verletzung bzw. Perforation im Colon, 258.265 VNs wurden zeitgleich polypektomiert, 118.932 VNs hatten eine gastro-intestinale Blutung. Im post-interventionellen Verlauf waren bei 10.935 VNs Komplikationen (u.a. ICD-Codes T81.1, T81.4, T81.7, T88.8 und T88.9) dokumentiert. 393.224 VN wurden erneut (Kontroll-) koloskopiert und 191.438 VNs erhielten eine stationäre Behandlung in einer gastroenterologischen Abteilung.

Schlussfolgerung:

Die Koloskopie ist ein häufig eingesetztes diagnostisches Verfahren mit einem sehr breiten Anwendungsspektrum. Mit unserer Operationalisierungstechnik lässt sich das Evaluationspotential der Darmkrebsfrüherkennung auf Basis von GKV-Routinedaten erweitern, da wir neben den präventiven Koloskopien auch Fälle mit Verdachtsdiagnose, z.B. positiver Hämoccult in Form sog. (abrechnungstechnisch) kurativer Koloskopien differenzieren können. Hierbei sind aber die Limitationen von GKV-Routinedaten (u.a. unzureichende Detaillierungen von ICD-Diagnosen, nicht exakte zeitliche Abgrenzung) zu berücksichtigen.