Z Gastroenterol 2018; 56(08): e262
DOI: 10.1055/s-0038-1668817
Kurzvorträge
Leber und Galle
Lebertransplantation – Donnerstag, 13. September 2018, 12:30 – 14:06, 22a
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss der Immunsuppression auf die Thromboseneigung bei lebertransplantierten Patienten

S Bedreli
1   Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, Essen, Deutschland
,
K Piras-Straub
1   Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, Essen, Deutschland
,
A Achterfeld
1   Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, Essen, Deutschland
,
A Katsounas
2   Universitätsklinikum Magdeburg, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Magdeburg, Deutschland
,
F Saner
3   Universitätsklinikum Essen, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Essen, Deutschland
,
G Gerken
1   Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, Essen, Deutschland
,
H Wedemeyer
1   Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, Essen, Deutschland
,
K Herzer
1   Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, Essen, Deutschland
› Institutsangaben
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
13. August 2018 (online)

 

Einleitung:

Everolimus (EVR) ist in Kombination mit Tacrolimus (TAC) zur Immunsuppression nach Lebertransplantation zugelassen. Trotz nachgewiesenen positiven Eigenschaften des mTor-Inhibitors, gibt es Hinweise darauf, dass Vertreter dieser Substanzklasse prothrombotisch wirken können.

Methodik:

Bei 54 Patienten nach Lebertransplantation wurden vor und nach Umstellung der Immunsuppression auf EVR (n = 26) oder retardiertes TAC (n = 28) eine ROTEM®-Analyse sowie die Analyse verschiedener Gerinnungsparameter durchgeführt. Dokumentiert wurden neben klinischen Parametern, die konventionellen Gerinnungswerte (Thrombozyten, INR, Fibrinogen, Antithrombin), spezielle Gerinnungswerte (Faktor VIII, Protein C und S, von Willebrand Faktor (vWF)), sowie die Werte der ROTEM®-Analyse am Tag vor der Umstellung (baseline), einen Monat und sechs Monate nach Umstellung der Immunsuppression. Klinische Daten der Patienten wurden in einer Datenbank erfasst und retrospektiv hinsichtlich dem Auftreten von thrombembolischen Ereignissen ausgewertet. Die Daten wurden mittels T-Test für unabhängige Stichproben und ANOVA mit wiederholten Messungen analysiert (Signifikanzniveau p ≤0,05).

Ergebnis:

Ein Monat und sechs Monate nach Umstellung auf EVR zeigten sich signifikant höhere Fibrinogen-Werte (p ≤0,0001), sowie Faktor VIII (p ≤0,01 und p ≤0,0001 jeweils) und vWF (p ≤0,01 und p ≤0,001 jeweils). In der EVR-Gruppe war die Gerinnselfestigkeit in allen Tests nach einem und nach sechs Monate nach Umstellung signifikant höher (p ≤0,001). Demgegenüber war die Maximale Lyse signifikant niedriger ein Monat (p ≤0,01) und sechs Monate (p ≤0,001) nach Umstellung auf EVR. Nach Umstellung auf TAC zeigten sich keine Veränderungen der Gerinnungswerte. In der klinischen Beobachtung traten nach Umstellung auf EVR geringfügig mehr thrombembolischen Ereignisse auf (p ≤0,609).

Schlussfolgerung:

Die Umstellung der Immunsuppression auf EVR bei lebertransplantierten Patienten verändert den Gerinnungsstatus zu Gunsten einer Thromboseneigung. Die weitere klinische Beobachtung wird jedoch zeigen, ob diese Veränderungen eine klinische Relevanz haben. Möglicherweise ist empfehlenswert, vor Umstellung auf eine EVR-basierte Immunsuppression ein erhöhtes Thrombose-Risiko auszuschließen.