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DOI: 10.1055/s-0038-1668709
Die sichere Tarnung – ein interdisziplinärer Fall aus der Notaufnahme
Authors
Publication History
Publication Date:
13 August 2018 (online)
Fragestellung:
Trotz modernster Diagnostik schaffen es einige Krankheiten sich weiterhin gut zu tarnen. Die abdominelle Aktinomykose ist eine solche. Die mittlerweile selten auftretende Erkrankung, führt uns immer wieder in die Irre. Die fistelbildende sowie tumoröse Infektion durch Aktinomyces iraelii führt daher meist zu Fehldiagnosen und stellt uns weiterhin vor Herausforderungen in der prä- und intraoperativen Diagnostik.
Methodik:
Anhand eines 77-jährigen Patienten soll dieser interessante Fall die seltene Erkrankung wieder ins Bewusstsein rücken. Unter dem Verdacht einer inkarzerierten umbilikalen Hernie wurde der Patient notfallmäßig operiert. Bei der Präparation der vermeintlichen Hernie, fand sich ein tumoröser und eitriger Prozess in der Bauchdecke. Aufgrund des unklaren Befundes erfolgte eine Laparotomie mit Inspektion des Darmes. Es zeigten sich multiple Tumore des Dünndarmes sowie ein Konglomerattumor im kleinen Becken. Unter dem Verdacht eines malignen Sigma- vs. Blasentumors erfolgte lediglich die histologische Sicherung mittels Dünndarmteilresektion eines tumortragenden Abschnittes. Der Eingriff wurde beendet und der Patient, bei Verdacht auf ein metastasiertes Grundleiden, weiterer Diagnostik zugeführt. Erst die postoperative Histologie erbrachte die überraschende Diagnose. Eine abdominelle Aktinomykose durch die Infektion mit Aktinomyces israelii. Eine antibiotische Therapie wurde für mehrere Wochen eingeleitet und der Patient mit einer benignen Diagnose entlassen.
Schlussfolgerung:
Bei der Aktinomykose handelt es sich um eine Infektion durch Actinomyces israelii die vorwiegend in Mündhöhle, Darm und Urogenitaltrakt auftritt. Die Bakterien können über Läsionen der Mundschleimhaut in den Gastrointestinaltrakt eindringen und abszedierende Entzündungen mit Fistelbildung entstehen lassen. Durch die hohe Sensibilität von Actinomyces israelii auf Antibiotika, kann eine frühzeitige Diagnose zu einer erfolgreichen konservativen Therapie führen. Daher sollten bei unklaren intraabominellen Befunden, differentialdiagnostisch auch spezifische Entzündungen bedacht und entsprechende Histologie entnommen werden, um unnötige resezierende Eingriffe zu vermeiden.
