Gesundheitswesen 2018; 80(08/09): 801
DOI: 10.1055/s-0038-1667705
Beiträge am Donnerstag, 13.09.2018
Vorträge
Prävention in städtischen und ländlichen Lebenswelten
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Integrierte Gesamtstrategien kommunaler Gesundheitsförderung für Kinder in zwei Ruhrgebietsstädten – Status Quo und Analyse kommunaler Rahmenbedingungen

S Ehlen
1   KATALYSE Institut, Gesundheits- und Ernährungsforschung, Köln, Deutschland
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
03. September 2018 (online)

 

Hintergrund:

Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsverbund „Gesund Aufwachsen“ hat integrierte Gesamtstrategien kommunaler Gesundheitsförderung für Kinder, in der Praxis auch Präventionsketten genannt, in zwei Großstädten im Ruhrgebiet untersucht. Moers und Oberhausen sind seit 2012 mit der Entwicklung einer integrierten Gesamtstrategie befasst. Zunehmende soziale und gesundheitliche Ungleichheit stellen die Kommunen vor große Herausforderungen.

Methoden:

Der Forschungsansatz verbindet ein nicht-randomisiertes, cluster-kontrolliertes Studiendesign mit explorativen Erhebungen und Methoden partizipativer Qualitätsentwicklung. Kommunale Steuerungsverantwortliche sowie Leitungskräfte aus Kitas, Familienzentren und Grundschulen wurden anhand von Experteninterviews befragt (n = 35). Kinder aus drei Alterskohorten nahmen an einem Entwicklungs-Monitoring (n = 529), ihre Eltern an einer teilstandardisierten Befragung teil (n = 355).

Ergebnisse:

Die intersektorale Steuerung von Gesundheitsförderung sowie ihre angemessene kommunalpolitischen Mandatierung steht noch am Anfang. Die größten Barrieren für Gesundheit und Soziale Teilhabe hin Kitas und Schulen sind marode oder fehlende Infrastruktur sowie ungleiche Ressourcenausstattung. In benachteiligten Quartieren sind die Anforderungen für Fachkräfte enorm. Häufigkeiten von Übergewicht und Adipositas liegen in der gesamten Kinderstichprobe über den Referenzwerten der KiGGS Welle 2.

Schlussfolgerungen:

Bislang fehlt ein expliziter gesetzlicher Auftrag und eine damit verbundene gesicherte Finanzierung für integrierte Gesamtstrategien. Die interkulturelle Öffnung öffentlicher Verwaltung ist stark entwicklungsbedürftig. Es gibt deutliche Hinweise auf strukturelle Diskriminierung vulnerabler Bevölkerungsgruppen. Gesundheits- und Teilhabechancen von Kindern sind zwischen Bildungsinstitutionen und Stadtquartieren ungleich verteilt. Eine bedarfsorientierte Kita- und Schulfinanzierung ist überfällig.