Gesundheitswesen 2018; 80(08/09): 792
DOI: 10.1055/s-0038-1667678
Beiträge am Mittwoch, 12.09.2018
Workshops
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einzelbeitrag: Verhältnispräventive Strategien zur Mundgesundheit von Kindergartenkindern

N Wolfram
1   Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen | Gesundheitsamt | Abt. Gesundheitsförderung/Prävention
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U Schütte
1   Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen | Gesundheitsamt | Abt. Gesundheitsförderung/Prävention
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B Bittner
1   Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen | Gesundheitsamt | Abt. Gesundheitsförderung/Prävention
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A Pedrotti
1   Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen | Gesundheitsamt | Abt. Gesundheitsförderung/Prävention
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S Bibas
1   Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen | Gesundheitsamt | Abt. Gesundheitsförderung/Prävention
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J Heimann
1   Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen | Gesundheitsamt | Abt. Gesundheitsförderung/Prävention
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C Hannig
1   Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen | Gesundheitsamt | Abt. Gesundheitsförderung/Prävention
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Publication History

Publication Date:
03 September 2018 (online)

 

Bedarf:

Der Öffentliche Gesundheitsdienst führt zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen durch. Die Routineauswertung der Daten ergab, dass im Hinblick auf die Kariesprävalenz bei den 3-jährigen Kindern nach Jahren des kontinuierlichen Kariesrückgangs ein Wiederanstieg der Karieswerte beobachtet wurde. Von Karies betroffen sind vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien, auch der Migrationshintergrund spielt eine Rolle. Dabei verteilt sich die Karieslast auf eine relativ kleine Anzahl von Kindern. Eine Verschärfung der Ausprägung der sogenannten „Kariespolarisierung“ ist zu beobachten. Als Ursache hierfür sind eine unzureichende und wenig konsequente Durchführung der Mundhygiene in Kombination mit einer stark zuckerhaltigen Ernährung zu nennen.

Ziele:

Im Vordergrund des kommunal verankerten Ansatzes steht die Verhältnisprävention. Alle Kinder sollen die gleiche Chance auf einen Start in ein (zahn)gesundes Leben erhalten. Durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst sind insbesondere die Kinder aus Elternhäusern ohne ausreichende Eigeninitiative für gesundheitsbewusstes Verhalten im Setting Kindertageseinrichtung gut zu erreichen. Die Schaffung von gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen auf struktureller Ebene im Setting Kita wird genutzt, um den in der Öffentlichkeit kontrovers geführten Diskussionen bezüglich des Zähneputzens zu begegnen. Ziel ist es, die tägliche Mundhygiene zum selbstverständlichen Bestandteil des Alltags werden zu lassen.

Partizipation und Empowerment: Die Maßnahme wird durch einen Steuerkreis begleitet. Neben dem Gesundheitsamt und dem kommunalen Träger der Kindertageseinrichtungen sind als bewährte Partner die Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege des Freistaates Sachsen und die Medizinische Fakultät, Bereich Zahnmedizin, Mitglieder des Steuerkreises. Thematisch wird die Elternvertretung hinzugezogen.

Ergebnisse:

Die höchste Wirkung des verhältnispräventiven Ansatzes zeigt sich in der Festschreibung der Mundgesundheit als zentralen Faktor für Gesundes Aufwachsen. Dies hat der Träger der kommunalen Kindertageseinrichtungen im Trägerkonzept und in Zusammenhang mit dem Qualitätsmanagement verankert. Die Vorbildwirkung der Bezugspersonen in der Kindertagesbetreuung wird als ein entscheidender Erfolgsfaktor genutzt. Demnach schaffen die Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft verbindlich die notwendigen Rahmenbedingungen, damit die Kinder und auch das pädagogische Personal mindestens einmal am Tag die Zähne putzen können. Strukturell ist das Thema Mundgesundheit über den Bereich somatische Bildung in den pädagogischen Konzeptionen der einzelnen Kindertageseinrichtungen eingebunden und findet sich im Jahreslauf verknüpft in den unterschiedlichsten Aktivitäten wieder. Der Öffentliche Gesundheitsdienst führt die gesetzlich vorgeschriebenen zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen in den Kindertageseinrichtungen durch. Sie sind neben den niedergelassenen Zahnärzten regelmäßig in der Kita, um gruppenprophylaktische Maßnahmen durchzuführen. Ziel der verhaltensorientierten Gruppenprophylaxe ist es, den Kindern altersentsprechend die Zahnputztechnik zu lehren und sie über zahngesundes Verhalten aufzuklären. Um die Kinder zu erreichen, wurde ein pädagogischer Ansatz gewählt, der sie in ihrer entwicklungspsychologisch bedeutsamen magischen Phase abholt. So wird in sechs spannenden und kindgerechten Abenteuer-Erzählgeschichten den Kindern das Thema Zahn nahegebracht.

Qualitätssicherung/Nachhaltigkeit: Gemeinsam mit den Akteuren des interdisziplinären Steuerkreises ist es gelungen, eine ineinandergreifende verhältnis- und verhaltenspräventive Vorgehensweise zu entwickeln. Die handlungs- und erfahrungsorientiert gestalteten Aufklärungsimpulse der Gruppenprophylaxe ergänzen die verbindlichen Rahmenbedingungen für das Zähneputzen in der Kita. Diese Maßnahme leistet einen entscheidenden Beitrag zum gesunden Aufwachsen in der Kommune.