Z Gastroenterol 2018; 56(05): e10-e11
DOI: 10.1055/s-0038-1648580
Kategorie: Poster „Der interessante Fall“
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

71-jähriger Patient mit einer ungewöhnlichen Ursache von Miserere

A Konwisorz
1  Medizinische Klinik, Schwerpunkt Gastroenterologie/Rheumatologie
,
N Reißmann
1  Medizinische Klinik, Schwerpunkt Gastroenterologie/Rheumatologie
,
E Schippers
2  Klinik für Chirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Klinikum Würzburg Mitte, Standort Juliusspital, Würzburg
,
W Scheppach
1  Medizinische Klinik, Schwerpunkt Gastroenterologie/Rheumatologie
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Publication History

Publication Date:
03 May 2018 (online)

 

Miserere (Koterbrechen, Kopremesis) ist ein seltenes Symptom, welches in der Regel mit einem mechanischen Dickdarmileus und Retroperistaltik assoziiert wird. Es ist mit einer schlechten Prognose vergesellschaftet. Im folgenden Fall wird eine weitere Ursache dieses für den Patienten äußerst belastenden Krankheitszeichens dargestellt.

Der bei Diagnosestellung 71- jährige untergewichtige Patient stellte sich mit Allgemeinzustandsminderung und Gewichtsverlust von ca. 40 kg im Verlauf des vorangegangenen Jahres vor. Eindrücklich und drastisch beschrieb er, dass er seit Tagen festen Stuhl erbrechen müsse. Der Stuhlgang auf normalem Weg sei jedoch erhalten, er habe sogar unter Diarrhö gelitten. – Vier Jahre zuvor war bei dem Patienten ein Oropharynx-Karzinom operiert worden, wobei er die Nachsorge nicht wahrgenommen hatte. – Bei Aufnahme präsentierte sich der Patient kreislaufstabil mit unauffälligem Labor und blandem Abdomen. Insbesondere lagen weder Abwehrspannung noch Stenoseperistaltik vor, lediglich ein geringer epigastrischer Druck fiel auf. Radiologisch konnten freie abdominelle Luft und Darmspiegel ausgeschlossen werden. Eine Sonografie des Oberbauchs erbrachte keine wegweisenden Befunde.

Gastroskopisch waren Fäzes an der großen Magenkurvatur nachweisbar. Nach deren Abspülen eröffnete sich im Magencorpus eine Fistel zu einer Tumorzerfallshöhle mit Verbindung zum Jejunum und zum Kolon. Die CT des Abdomens zeigte eine unklare Raumforderung im Bereich des linksseitigen Colon transversum und des Magens mit Fistelbildung zwischen den beiden Hohlorganen.

Aufgrund des Nachweises einer gastro-jejuno-kolischen Fistel mit Kotübertritt in das Magenlumen wurde die Indikation zur operativen Sanierung gestellt. Diese erfolgte im Sinne einer En-bloc-Resektion des Colon transversum, des Magens (subtotal) und eines Jejunalsegments. Die Rekonstruktion erfolgte mittels Aszendo-Deszendostomie und Roux-Y-Ableitung des Restmagens. Histologisch zeigte sich ein Adenokarzinom des Colon transversum (pT4b pN1b (3/18) L1 V0 Pn1, G2, lokal R0). Erfreulicherweise erholte sich der Patient gut von der Operation, und es ließen sich radiologisch keine Fernmetastasen nachweisen. Eine adjuvante Chemotherapie wurde angeraten, aber vom Patienten nicht durchgeführt.

Der Fall verdeutlicht eindrücklich eine seltene Ursache des Koterbrechens. Der ausgedehnte und fortgeschrittene Lokalbefund war sicherlich auch einem Verdrängungsverhalten des Patienten geschuldet, der nach seiner vorausgegangenen Tumorerkrankung jeden Arztbesuch vermieden hatte.