Kinder- und Jugendmedizin 2010; 10(06): 325-333
DOI: 10.1055/s-0038-1629078
Nephrologie
Schattauer GmbH

Akutes Nierenversagen im Kindesalter

Acute kidney injury in children
R. Büscher
1  Universitätsklinikum der Universität Duisburg-Essen, Klinik für Pädiatrie II, Pädiatrische Nephrologie
,
P. F. Hoyer
1  Universitätsklinikum der Universität Duisburg-Essen, Klinik für Pädiatrie II, Pädiatrische Nephrologie
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Publication History

Eingereicht am: 02 December 2009

angenommen am: 11 December 2009

Publication Date:
25 January 2018 (online)

Zusammenfassung

Das akute Nierenversagen (ANV) ist durch eine plötzlich einsetzende, aber reversible Erhöhung der Retentionswerte Kreatinin und Harnstoff charakterisiert und geht mit einem Unvermögen der Niere zur Regulation der Flüssigkeits- und Elektrolyt-Homöostase einher. Aufgrund des gegenwärtigen pathophysiologischen Verständnisses wird der Begriff „akutes Nierenversagen“ zunehmend durch den Begriff „acute kidney injury“ abgelöst. Die Inzidenz ist im Kindesalter steigend und hat sich in den letzten Jahrzehnten von den primär renalen zu multifaktoriellen Ursachen verschoben. Die pathophysiologische Einteilung unterscheidet klassischerweise nach prärenalen, renalen und postrenalen Ursachen, wobei das hämolytisch-urämische Syndrom mit ca. 53 % die häufigste Ursache ist. Genetische Faktoren scheinen bei manchen Kindern zum ANV zu prädisponieren. Mithilfe einer gründlichen Anamnese, der körperlichen Untersuchung und der Laboruntersuchung lassen sich die möglichen Ursachen eingrenzen. Die therapeutischen Möglichkeiten sind aufgrund der Komplexität der Erkrankung ursachenorientiert und unterschiedlich erfolgreich. Die Indikation zur Dialyse wird durch die Klinik und Laborparameter bestimmt. Die Prognose des ANV hängt sehr von der zugrunde liegenden Ätiologie ab, man geht jedoch unabhängig von der Genese heute davon aus, dass Kinder, die ein ANV durchgemacht haben, ein hohes Risiko für die spätere Entwicklung einer chronischen Nierenerkrankung zeigen. Ein verbessertes Verständnis der Pathophysiologie, frühe Biomarker und eine bessere Klassifikation des ANV können zur Optimierung der therapeutischen Bemühungen führen.

Summary

Acute renal failure is characterised by a sudden but reversible increase of serum creatinine and nitrogenous waste products and by the inability of the kidney to regulate fluid and electrolyte homeostasis appropriately. Pathophysiological reasons recently led to a renaming of acute renal failure into acute kidney injury (AKI). The incidence in children seems to be increasing and the etiology of AKI has shifted from primary renal disease to multifactorial causes with a strong predisposition of genetic risk factors. Pathophysiological classifications distinguish between prerenal, renal and postrenal causes with haemolytic uremic syndrome being the most frequent cause with 53 %. A detailed medical history, physical examination and laboratory results help to locate potential risk factors of AKI in children. Therapeutic strategies and prognosis depend on the underlying disease, dialysis is indicated based on clinical and laboratory results. Improved understanding of the pathophysiology, early biomarkers of AKI, and better classification are required to optimise successful therapeutic efforts.