Nervenheilkunde 2013; 32(04): 199-204
DOI: 10.1055/s-0038-1628499
Autonomes Nervensystem
Schattauer GmbH

Posturales Tachykardiesyndrom

UpdatePostural tachycardia syndromeUpdate
C.-A. Haensch
1   Autonomes Labor, Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie, HELIOS Klinikum Wuppertal
,
C. Wagner
1   Autonomes Labor, Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie, HELIOS Klinikum Wuppertal
,
J. Mallien
1   Autonomes Labor, Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie, HELIOS Klinikum Wuppertal
,
S. Isenmann
1   Autonomes Labor, Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie, HELIOS Klinikum Wuppertal
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Publikationsverlauf

eingegangen am: 19. Oktober 2012

angenommen am: 22. Oktober 2012

Publikationsdatum:
24. Januar 2018 (online)

Zusammenfassung

Das posturale Tachykardiesyndrom (POTS) wird definiert als eine orthostatische Intoleranz ungeklärter Ätiologie, charakterisiert durch einen Herzfrequenzanstieg > 30/min oder einer absoluten Herzfrequenz im Stehen > 120/min während der ersten 10 Minuten nach dem Aufstehen bzw. während eines Kipptischversuches. Es handelt sich um eine Form der Kreislauffehlregulation, die sich durch Beschwerden wie Schwindel, Herzrasen, Benommensein, Kopfschmerzen und gegebenenfalls durch Synkopen zeigen kann. Diese häufigste Form der orthostatischen Intoleranz betrifft oft jüngere, sonst gesunde Patienten. Ein noch zu wenig beachtetes Symptom des POTS sind Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit bei bis zu 40% der Patienten. Eigene polysomnografische Untersuchungen weisen auf vermehrte vegetative Arousals und nächtliche Tachykardien als Ursache einer Insomnie hin. Auch Tagesmüdigkeit und eine gestörte Schlafstruktur sind häufig. POTS-Patienten erscheinen dem Arzt häufig ängstlich. POTS-Patienten weisen jedoch in Angst-Fragebögen, die auf das Erfassen somatischer Symptome einer Angststörung verzichten, keine erhöhte Ängstlichkeit im Vergleich zur Bevölkerung auf. Das POTS stellt ein heterogenes, noch wenig charakterisiertes Syndrom der orthostatischen Intoleranz dar. Neuere Untersuchungen ergaben Hinweise auf eine neuropathische Form des POTS mit Denervierung sympathischer kardialer und sudomotorischer Nervenfasern. Die autonome Testung mit MIBG-Szintigrafie und Hautbiopsie kann hilfreich sein, um eine neuropathische Form des POTS abzugrenzen. Diese Übersicht stellt das klinische Bild, die Epidemiologie, mögliche Pathomechanismen sowie gegenwärtige Therapieoptionen und eine neue medikamentöse Therapie mit dem selektiven If-Kanalhemmer Ivabradin dar.