Phys Med Rehab Kuror 2018; 28(01): 61-62
DOI: 10.1055/s-0038-1625794
Sitzung 7
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Tele-Physiotherapie: nachhaltig oder kurzlebiger Hype?

V Sadil
1  Gesundheitseinrichtung der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau Bad Schallerbach
,
H Füreder
2  Institut für Gesundheitsförderung und Prävention, Graz
,
S Haas
1  Gesundheitseinrichtung der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau Bad Schallerbach
,
J Roitner
1  Gesundheitseinrichtung der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau Bad Schallerbach
,
O Zörner
1  Gesundheitseinrichtung der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau Bad Schallerbach
,
E Pickl
2  Institut für Gesundheitsförderung und Prävention, Graz
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Publication Date:
15 February 2018 (online)

 

Das Problem kennen alle: In 3 Wochen Rehabilitation wurde mit den PatientInnen ein Heimübungsprogramm erarbeitet und wenn diese entsprechend motiviert sind, machen sie die Übungen noch einige Wochen mit geringer werdender Übungsfrequenz weiter, bald ist aber das Üben in der täglichen häuslichen und beruflichen Routine Geschichte.

Die VAEB hat sich daher entschlossen, ein Pilotprojekt mit der telemedizinischen Anwendung EvoCare® zu starten. Die Teilnehmer bekommen Im Anschluss an den Aufenthalt in Bad Schallerbach ein Teletherapie-Gerät 6 Wochen zur Verfügung gestellt, können ihr Übungsprogramm aufrufen und werden bei der Durchführung gefilmt und fotografiert. Die Files werden der betreuenden Physiotherapeutin übermittelt, die via Messengerfunktion Feedback geben kann. In der Zeit von Mai 2014 bis September 2015 wurden 203 PatientInnen als grundsätzlich für die Tele-Physiotherapie geeignet eingestuft. 67 davon haben sich für eine Teilnahme am Tele-Physiotherapie-Programm entschlossen und bilden die Interventionsgruppe, die restlichen 136 PatientInnen die Kontrollgruppe.

Zwischen Mai 2014 und Mai 2016 wurden an 4 Messzeitpunkten die Daten erhoben (zu Beginn und am Ende des Aufenthaltes, 6 Wochen bzw. 6 Monate nach dem Aufenthalt). In beiden Gruppen war die Geschlechterverteilung gleich, ¾ waren Männer und ¼ Frauen. Das Durchschnittsalter in der Interventionsgruppe lag bei 56 a, das der Vergleichsgruppe bei 61 a. Zur Datenerhebung wurden validierte Teil- und Subskalen verschiedener Messinstrumente in einem Fragebogen verwendet (AT-HIS Gesundheitsbefragung, FEW 16, SF-36, Graded Chronic Pain Status und FLZM). 6 Wochen nach dem Ende des Aufenthaltes trainieren signifikant mehr PatientInnen der Interventionsgruppe häufiger als 3 – 4x wöchentlich, nach 6 Monaten findet man keinen signifikanten Unterschied mehr. Nach 6 Monaten machen noch 87% der Interventionsgruppe und 91,2% der Vergleichsgruppe zumindest 1x wöchentlich ihre Übungen. Die Interventionsgruppe trainiert sowohl 6 Wochen als auch 6 Monate nach dem Aufenthalt länger als die Vergleichsgruppe (+10 bzw. +5 min), die Reduktion der Trainingszeit in diesem Zeitraum fällt bei der Interventionsgruppe stärker aus (-11 bzw. -6 min).

Die ambulante Tele-Physiotherapie ist bei der körperlichen Rollenfunktion (SF-36) und bei der Zufriedenheit mit dem Behandlungsverlauf signifikant der Standardversorgung überlegen. Während der Wert für die körperliche Rollenfunktion in der Vergleichsgruppe 6 Wochen nach Ende des Aufenthaltes in Bad Schallerbach ein Maximum erreicht und dann wieder abfällt (von 2,0 auf 1,77), steigt der Wert in der Interventionsgruppe weiter an (von 1,82 auf 2,34). Hinsichtlich verschiedener Kureffekte (Schmerzstärke, subjektiver Gesundheitszustand u.a.) konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden werden. 96% der PatientInnen der Interventionsgruppe sind mit dem Handling zufrieden oder sehr zufrieden. 2% der Interventionsgruppe war nicht zufrieden mit der Art der Kommunikation mit der Physiotherapeutin. Mit dem Behandlungsverlauf insgesamt sind nach 6 Monaten die Teilnehmer der Interventionsgruppe signifikant zufriedener als die PatientInnen der Vergleichsgruppe.