Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2008; 36(03): 171-178
DOI: 10.1055/s-0038-1624032
Wiederkäuer
Schattauer GmbH

Einfluss der Rasse auf die Gestation und Geburt beim Rind[*]

Influence of breed on gestation length and birth in cattle
U. Bleul
1  Klinik für Fortpflanzungsmedizin (Direktor: Prof. Dr. W. Kähn), Departement für Nutztiere, Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich
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Publication History

Eingegangen: 25 March 2008

akzeptiert: 10 April 2008

Publication Date:
05 January 2018 (online)

Zusammenfassung:

Gegenstand und Ziel: Schwerpunkt der Untersuchung ist die Analyse der rassebedingten Unterschiede ausgewählter Parameter der Trächtigkeit und Geburt aller in der Schweiz häufig vorkommenden Rinderrassen. Material und Methoden: Anhand der zwischen den Jahren 2002 und 2006 gemeldeten 3 544 625 Geburten der häufigsten Rassen in der Schweiz wurden Gestationslänge, Geschlechterverhältnis und Geburtsgewicht der Kälber sowie Schweregrad der Geburt in Abhängigkeit von der Rasse, dem Ab - kalbejahr und der Jahreszeit verglichen. Ergebnisse: Die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer betrug 287,28 ± 0,01 Tage, wobei die kürzeste bei der Rasse Jersey (282,26 ± 0,08 Tage) und die längste bei der Rasse Blonde d’Aquitaine (291,77 ± 0,12 Tage) ermittelt wurde. Sowohl die Jahreszeit als auch das Geschlecht des Kalbes und das Auftreten einer Mehrlingsgeburt beeinflussten die Gestationslänge. Erstkalbinnen wiesen eine um durchschnittlich 2,23 Tage kürzere Trächtigkeit auf als ältere Kühe. Rassenunabhängig wurden 48,85% weibliche und 51,15% männliche Kälber geboren, wobei der Anteil der Kuhkälber zwischen den Jahren 2002 und 2006 von 49,43% auf 48,35% sank (p < 0,0001). Primipara gebaren signifikant mehr weib - liche Kälber als Pluripara. Auf das Geschlechterverhältnis hatte außerdem die Jahreszeit einen Einfluss. Bei 4,16% aller Geburten erfolgte eine schwere konservative Geburtshilfe oder ein Kaiserschnitt. Beim Piemonteser Rind ergaben sich die meisten Schwergeburten mit 7,73% und beim Highland Cattle die wenigsten mit 1,13%. Schwergeburten waren zudem bei Erstkalbinnen und bei Geburt eines männlichen Kalbes häufiger. Schlussfolgerung und klinische Relevanz: Die Rasse beeinflusst eine Vielzahl von Parametern während der Trächtigkeit und der Geburt. Die Kenntnis der entsprechenden Eigenheiten einer Rasse kann hilfreich sein, um die tierärztliche Überwachung der Gestation und Geburt gezielter durchzuführen.

Summary:

Objective: The main aim of the study was the analysis of breed-related differences of various parameters of gestation and birth in the most prevalent cattle breeds of Switzerland. Material and methods: Data sets of 3,544,625 births of the most relevant breeds in Switzerland between the years 2002 and 2006 were used to compare gestation length, sex ratio, birth weight of the calves and rate of dystocia in relation to breed, year of birth and birth season. Results: The average gestation length was 287.28 ± 0.01 days with Jersey cows having the shortest (282.26 ± 0.08 days) and Blonde d’Aquitaine having the longest gestation (291.77 ± 0.12 days). Gestation length was also influenced by the season, sex of the calf and twinning. The duration of gestation in primiparous was on average 2.23 days shorter than in older cows. Independent of the breed, 48.85% of the calves were female and 51.15% were male, with the proportion of female calves reducing from 49.43% to 48.35% from the year 2002 to 2006 (p < 0.0001). Significantly more female calves were born by primiparous than by multiparous cows. The sex ratio was also influenced by the season. Forced extraction or caesarean section was applied in 4.16% of all parturitions. The highest percentage of serious calving difficulty was seen in the Piemontese breed (7.73%) while Highland Cattle had the lowest rate of serious calving difficulty (1.13%). Serious calving difficulty was most prevalent in primiparous and in par turition of male calves. Conclusion and clinical relevance: The breed influences many parameters during gestation and birth. Knowledge of breed-specific peculiarities can help to improve monitoring of gestation and birth.

* Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. mult. H. Bostedt zum 70. Geburtstag gewidmet.