Tierarztl Prax Ausg K 2008; 36(S 01): S54-S58
DOI: 10.1055/s-0038-1622722
Pferd
Schattauer GmbH

Robinien als Ursache für Vergiftungen beim Pferd

Robinia pseudacacia (black locust) toxicosis in horses
A. Uhlig
1  Medizinische Tierklinik (Direktor: Prof. Dr. Dipl. ECEIM G. F. Schusser), Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig
,
A. Grosche
1  Medizinische Tierklinik (Direktor: Prof. Dr. Dipl. ECEIM G. F. Schusser), Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig
,
M. Hoops
1  Medizinische Tierklinik (Direktor: Prof. Dr. Dipl. ECEIM G. F. Schusser), Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig
,
G. F. Schusser
1  Medizinische Tierklinik (Direktor: Prof. Dr. Dipl. ECEIM G. F. Schusser), Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig
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Publication History

Publication Date:
04 January 2018 (online)

Zusammenfassung:

Gegenstand und Ziel: Beschrieben wird die Vergiftung mit Rinde der Falschen Akazie bei acht Pferden. Material und Methoden: klinische Untersuchung der Pferde. Ergebnisse: Anamnese, angenagte Robinien im Aufenthaltsbereich der Pferde und der Nachweis von Rinde im Mageninhalt der Tiere stützten die Diagnose. Bei allen acht Pferden traten Koliksymptome unterschiedlichen Schweregrades auf. Die Darmgeräusche differierten von spastisch gehemmt über mittelgradig vermindert bis hin zu fehlenden. Zwei Pferde hatten eine sekundäre Eintrocknung im Bereich der linken ventralen Kolonlage. Bei drei Pferden kamen neurologische Symptome hinzu, wie diskontinuierliche exzitatorische Anfälle im Wechsel mit apathischen Phasen. Ein Pferd entwickelte eine Hufrehe. Bei allen Patienten erfolgte eine Magenspülung. Zudem erhielten die Patienten eine Dauertropfinfusion mit Vollelektrolytlösung (50 ml/kg KM/d). Pferde mit starken Exzitationen wurden zudem sediert. Sieben Tiere erholten sich binnen vier Tagen. Schlussfolgerung und klinische Relevanz: Vergiftungen mit Robinien (Robinia pseudoacacia) treten beim Pferd sporadisch auf. Die gesicherte Diagnose erfolgt durch den Nachweis von Rinde im Mageninhalt. In Abhängigkeit von der aufgenommenen Giftmenge variieren die klinischen Symptome. Bei bis zu 70 g Rinde herrschen Koliksymptome vor. Wurden größere Mengen aufgenommen, dominieren diskontinuierliche exzitatorische Anfälle im Wechsel mit apathischen Phasen das klinische Bild. Hufrehe tritt als Komplikation auf. Das therapeutische Grundprinzip umfasst die Magenspülung, die Dauertropfinfusion und die Sedation in Fällen mit Exzitationen. Prognostisch gesehen sind Intoxikationen mit Rinde der Falschen Akazie günstig zu beurteilen, sofern sich die Symptome auf den Verdauungstrakt beschränken.

Summary

Objective: The present study describes poisoning due to Robinia pseudoacacia in eight horses. Material and methods: Clinical examination. Results: Clinical history, gnawed off robinia bark in the horses’ surrounding and the evidence of plant material in the stomach content support the diagnosis. Colic signs of different degrees of severity were shown by all of the eight horses. Intestinal sounds ranged from spasmodically inhibited over markedly reduced to absent. Secondary impaction of the left ventral colon was found in two horses. Three patients showed additional neurological symptoms such as discontinuing phases of excitement alternating with phases of depression. One horse developed laminitis. All horses were treated with gastric lavage and intravenous fluid administration (50 ml/kg BW/d). Ancillary sedation was done in strongly aroused patients. Seven horses recovered within four days after admission. Conclusion and clinical relevance: Robinia pseudoacacia toxicosis occurs sporadically in horses. The final diagnosis is established on the basis of proof of robinia bark in the contents of the stomach. Symptoms vary depending on the amount of toxin ingested. Colic signs dominate up to 70 g. The intake of larger amounts primarily leads to neurological symptoms of varying degrees. Laminitis is a potential complication. Treatment of choice consists of gastric lavage, balanced intravenous fluid administration and ancillary sedation if necessary. Prognosis is favourable if clinical symptoms are confined to the gastrointestinal tract.