Tierarztl Prax Ausg K 2008; 36(S 01): S34-S38
DOI: 10.1055/s-0038-1622718
Schwein
Schattauer GmbH

Tierschutzgerechtes Schlachten von Schweinen: Defizite und Lösungsansätze

Pig slaughtering in accordance with animal welfare: deficits and solutions
K. Troeger
1  Institut für Technologie (Direktor: Prof. Dr. K. Troeger) der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel, Standort Kulmbach
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Publication Date:
04 January 2018 (online)

Zusammenfassung:

Es werden Tierschutzdefizite bei der Schweineschlachtung sowie Lösungsansätze aufgezeigt. Bei einer Elektrobetäubung muss das erste Ziel sein, die Tiere möglichst sofort, d. h. innerhalb von weniger als einer Sekunde in den Zustand der Bewusstlosigkeit zu versetzen. Andernfalls wird die elektrische Durchströmung als äußerst schmerzhaft empfunden. Weiterhin muss eine Elektrobetäubung eine ausreichend lang anhaltende (in den Tod übergehende) Bewusstlosigkeit sowie eine akzeptable Ruhiglage der Tiere bewirken. Dies wird mit „modernen“ Elektrobetäubungsanlagen (hochfrequenter Strom) nur erreicht, wenn außer einer Kopfdurchströmung gleichzeitig oder anschließend auch eine Herzdurchströmung zur Auslösung von Kammerflimmern stattfindet. Solche irreversiblen Elektrobetäubungsverfahren werden den Tierschutzanforderungen am ehesten gerecht. Die CO2-Betäubung wirkt im Gegensatz zu einer optimalen Elektrobetäubung nicht sofort, sondern die Tiere sind in der Anflutungsphase für einen Zeitraum von ca. 10–20 Sekunden Belastungen, vor allem durch ein Gefühl der Atemnot, ausgesetzt. Dieser Nachteil kann durch die Verwendung von Argon/Stickstoff zwar vermieden werden, doch treten dann so gravierende Schlachtkörperschäden (Blutpunkte) auf, dass der Einsatz dieser Alternativgase bei der Schweinebetäubung gegenwärtig für die Schlachtbetriebe noch nicht akzeptabel ist. Die Tötung der Tiere erfolgt bei reversiblen Betäubungsverfahren wie der CO2-Betäubung durch den Blutentzug. Werden die Tiere (versehentlich) nicht oder ungenügend entblutet, kehren Empfindungsund Wahrnehmungsvermögen zurück. Damit besteht bei Bandschlachtungen die Gefahr, dass die Tiere mit (wiedererlangtem) Sensorium in die Brühanlage gefördert werden. Aus Tierschutzsicht ergibt sich deshalb die prioritäre Forderung, die Effektivität der Entblutung bei jedem Einzeltier zu kontrollieren.

Summary

Animal welfare deficiencies regarding pig slaughtering and possible solutions are shown. The first intention of an electrical stun should be to render the animal unconscious immediately, which means within < 1 sec. Otherwise, electrical current causes extreme pain. Secondly, an electrical stun should induce unconsciousness which directly goes on to death and an acceptable immobilisation of the animal. This can be reached by “modern” (high frequency) stunning equipment only, if electrical stunning involves not only transcranial application of an electrical current but also head-to-body application to induce cardiac ventricular fibrillation. Such irreversible methods best meet the animal welfare requirements. CO2-stunning has not an immediate effect like optimal electrical stunning, but the animals feel respiratory distress prior to loss of posture (10 to 20 seconds). This is not the case if argon/nitrogen is used instead of CO2. But because of the incidence of blood splash in ham muscles, connected with the use of these alternative gases, the method has not been accepted by slaughterhouses until now. If the stunning method is reversible like CO2-stunning, killing of animals is performed by exsanguination. When the animals are not stuck (by mistake) or are only bleeded imperfectly, they regain conciousness while in the slaughterline. Therefore, there is a risk that animals with (regained) sensorium are conveyed into the scalding tank. From the animal welfare point of view, the supervision of adequate sticking of each single pig is mandatory.